Der Nemax 50 wird zum letzten Mal berechnet
Tränenloser Abschied

Analysten wissen: Feldstudien vor Ort bringen häufig realitätsnähere Ergebnisse als alle empirischen Erhebungen. Gleiches gilt auch für den Nemax 50, der am Donnerstag zum letzten Mal berechnet wird und anschließend endgültig eingestellt wird.

Analysten wissen: Feldstudien vor Ort bringen häufig realitätsnähere Ergebnisse als alle empirischen Erhebungen. Gleiches gilt auch für den Nemax 50, der am Donnerstag zum letzten Mal berechnet wird und anschließend endgültig eingestellt wird. Wer sich in diesem Jahr bei Börsianern über den Nemax 50 informieren wollte, wurde in den meisten Fällen zurückgefragt: „Gibt es den denn noch?“. Diese Aussage sagt alles über Bedeutung und Stellenwert des einst für den Neuen Markt kreierten Auswahlindexes.

Zur Erinnerung: Nemax steht für „Neuer Markt Index“. Und da der Neue Markt im März 2003 abgeschafft wurde, war dies auch das eigentliche Ende für den Nemax 50. Der TecDax folgte und sollte all die negativen Assoziationen vergessen machen, die mit dem Nemax verbunden waren. Bis heute ist ihm dies ganz gut gelungen.

Da es auf den Nemax 50 aber allerhand Zertifikate und Optionsscheine gab, wollte die Deutsche Börse deren Emittenten eine ausreichend lange Übergangszeit geben, um ihre Produkte entsprechend anzupassen. Die ist nach eindreiviertel Jahren nun endgültig vorbei. Sowieso hat der Nemax 50 aktueller Prägung nichts mehr mit dem zu Zeiten des Neuen Marktes zu tun. Es handelt sich bei ihm seit März 2003 lediglich um einen um 20 Werte aufgeblähten TecDax, in den einfach die Werte 31 bis 50 der Rangliste noch mit aufgenommen wurden. An der Börse selbst haben sich die Verantwortlichen sowieso schon seit langem vom ungeliebten Nemax verabschiedet. In der Indexübersicht auf der Web-Site ist der Name längst gestrichen.

Für die Emittenten der Derivate gab es letztlich zwei Möglichkeiten: Entweder werden die laufenden Zertifikate gekündigt oder auf den TecDax umgestellt. Eine eindeutige Präferenz der Banken gab es nicht. Sie entschieden sich in etwa zu gleichen Teilen für eine der beiden Varianten. Denn beides hatte Sinn. Eine Kündigung ist eine saubere Lösung, die Derivate sind endgültig vom Markt. Die Umstellung auf den TecDax ist ebenso unproblematisch, sind doch im Nemax 50 bereits die 30 TecDax-Werte enthalten. Lediglich die unbedeutsamen Aktien Nummer 31 bis 50 werden künftig weggelassen.

Als einziges Emissionshaus geht übrigens die Bayerische Landesbank einen eigenen Weg und bietet damit den letzten echten Fans des Nemax 50 eine Heimat. Noch für ein weiteres Jahr wird der Index dort in Eigenregie berechnet, um sich jetzt eine Entscheidung in die eine wie die andere Richtung zu ersparen. Das könnte durchaus zum Vorteil der Anleger sein. Hat sich doch der Nemax 50 seit März 2003 besser entwickelt als der TecDax. Einem Plus von 80 Prozent stehen nur knapp 68 Prozent gegenüber.

Über die Gründe lässt dafür lässt sich nur spekulieren. Ein möglicher Ansatz ist, dass sich im Nemax 50 auf den Plätzen 31 bis 50 etliche Werte finden, die mit Verve in den TecDax drängen und sich in diesem Zusammenhang sehr gut entwickelt haben. Funkwerk, Morphosys oder zuletzt die Solarworld sind Beispiele dafür. Das Potenzial an solchen Werten ist jedoch inzwischen aufgezehrt. Nun finden sich dort vor allem Aktien, die ihre besten Zeiten erst mal hinter sich haben wie Intershop, FJH oder Repower. Die Prognose, dass sich der Nemax 50 auch in Zukunft besser entwickelt hätte als der TecDax ist deswegen nicht zu halten. Sie wäre ohnehin hypothetisch.

Fazit: Der Name Nemax war bei Abschaffung des Neuen Marktes vor eindreiviertel Jahren längst „verbrannt“, brachten ihn doch die Anleger mit Kursverlusten in Höhe von von 95 Prozent seit den Höchstständen im März 2000 in Verbindung. Für die dort gelisteten Unternehmen war die Zugehörigkeit eher Belastung als Aushängeschild. Die Gesellschaften haben dies meist diskret verschwiegen. Das endgültige Aus am Donnerstag wird also ein Abschied ohne Tränen.

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