Der Platinförderer Lonmin hat gute Aussichten
Gefahr gebannt

Wer den Tönen aus dem südafrikanischen Platinsektor lauscht, bekommt dieser Tage einen bunten Mix aus Moll und Dur zu hören. Grund zur Klage gibt der hohe Kurs des Rands.

KAPSTADT. Die teure Landeswährung schmälert die Gewinne der Konzerne, die für das von ihnen geförderte Edelmetall Dollar erhalten, deren Kosten aber in Rand anfallen. Angesichts der arg geschrumpften Margen haben viele Firmen bereits ihre Ausbauprogramme gestoppt. Auf der anderen Seite boomt jedoch die Nachfrage. Dank des schier unersättlichen Appetits der Autobauer und der chinesischen Schmuckbranche, die gemeinsam 80 Prozent der Platin-Produktion verschlingen, dürften Angebot und Nachfrage dieses Jahr auf neue Rekorde klettern.

Eine ähnliche Situation gab es vor zwei Jahren schon einmal. Allerdings lag damals ein düsterer Schatten auf dem Markt: Südafrikas Regierung hatte gerade den ersten Entwurf einer radikalen „Bergbaucharta“ lanciert, die eine stärkere Beteiligung schwarzer Investoren vorsah. Das Papier schürte unter Investoren die Furcht vor einer heimlichen Verstaatlichung der Minenindustrie. Zu den Leidtragenden zählte damals die Aktie von Lonmin, dem drittgrößten Platinförderer der Welt. Dessen Kurs knickte binnen weniger Tage um über 30 Prozent ein.

Inzwischen befindet sich Lonmin längst auf dem Wege der Genesung – und die Aussichten für eine weitere Erholung sind günstig. Neben dem Platinboom liegt dies auch an der inzwischen abgemilderten Bergbaucharta: Statt an der Hälfte der Minen sollen schwarze Investoren bis 2012 nun an gut einem Viertel der Bergwerke am Kap beteiligt werden.

Um diese Auflage zu erfüllen, will Lonmin 18 Prozent seiner südafrikanischen Platintochter Lonplats an eine Vielzahl kleinerer schwarzer Investoren verkaufen. Zu diesem Zweck hat Lonmin ein neues Unternehmen mit dem Namen „Incwala“ gegründet, an dem Minenarbeiter und schwarze Investoren zur Hälfte beteiligt sind. Einen kleinen Anteil an Incwala möchte Lonmin behalten, um – wie es heißt – gemeinsam mit den neuen schwarzen Partnern einen „nationalen Champion“ zu kreieren.

Architekt des ehrgeizigen Unterfangens ist Brian Gilbertson, ein routinierter Minenboss. Fast im Alleingang hatte dieser bereits 1997 die kleine südafrikanische Minenfirma Billiton internationalisiert und durch die Fusion mit der australischen BHP später zum weltgrößten Bergbauhaus gemacht. Mit Gilbertsons neuem Deal schlägt Lonmin zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen entledigt es sich jenes Anteils an seiner Tochter Lonplats, der bislang dem Rivalen Impala Platinum gehörte. Zum anderen hilft der Schachzug sowohl Lonmin als auch Impala, die von der Regierung gemachten Vorgaben in puncto schwarzer Beteiligung zu erfüllen.

Lonmin selbst scheint mit dem Arrangement die potenzielle Gefahr in eine Chance zu verkehren. Damit steht einer Fortsetzung der Erfolgsgeschichte des Konzerns nichts im Wege. War dieser vor wenigen Jahren noch ein behäbiges Konglomerat, das sich unter dem Namen Lonrho in Afrika in den unterschiedlichsten Geschäftsfeldern tummelte, ist Lonmin heute ein fast ausschließlich auf Platin fokussierter Konzern mit drei kostengünstigen Minen und einem Output von fast einer Million Unzen.

Schon wegen dieses soliden Fundaments dürfte der Platinschürfer besonders stark von einem möglichen Schwächeanfall des Rands profitieren. Daneben garantieren die immer schärferen Umweltstandards im Westen und der Platinhunger der chinesischen Verbraucher, dass der Nachfrageboom nach dem Metall anhält. In einem sind sich die Experten am Kap jedenfalls einig: Platin hat nicht den gleichen Status wie Gold. Es ist inzwischen viel wertvoller als sein bekannterer Bruder. Das sind gute Aussichten für die Aktionäre von Lonmin.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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