Der Rohstoff bleibt teuer, weil der Markt nicht entlastet wird
Keine Entwarnung beim Öl

Obgleich Hurrikan "Wilma" kaum Auswirkungen auf die Ölförderung haben wird, sind die Märkte angespannt. Die Folgen von "Katrina" und einer verfehlten Rohstoffpolitik wirken nach.

DÜSSELDORF. Da fegt der Hurrikan „Wilma“ mit beispielloser Zerstörungskraft über Mittelamerika – ein riesiges Sturmgebiet mit einem Durchmesser von 700 Kilometern. Doch anders als „Katrina“ und „Rita“ lässt „Wilma“ die internationalen Energiemärkte kalt; das in Europa marktführende Brentöl notiert schon seit Tagen unter 60 Dollar je Barrel (159 Liter). Vor dem Wochenende rutschte der Brentölpreis sogar unter 58 Dollar und liegt damit um rund zehn Dollar unter seinen diesjährigen Höchstständen. Denn der Sturm bedroht bisher noch nicht die wichtigen Rohölförderanlagen im Golf von Mexiko, die immer noch unter den Folgen des Hurrikans „Katrina“ leiden. Ist damit wirklich Entspannung beim Öl angesagt? Wohl kaum.

Kurzfristig hat zwar ein unerwartet kräftiger Anstieg der amerikanischen Rohöl-Lagerbestände den Preisauftrieb gedämpft. Die Bestände waren zuletzt um 5,6 Millionen Barrel gestiegen; die Erwartungen der Branchenanalysten wurden damit weit übertroffen. Langfristig aber bleibt die Situation an den Rohölmärkten angespannt, denn weitere Verwerfungen – nicht zuletzt durch die Spätfolgen „Katrinas“ – sind nicht auszuschließen. Damit sind auch die Gefahren einer Preishausse und weiterer Übertreibungen an den Märkten noch lange nicht gebannt.

Ursache für die Versorgungsängste sind an den Märkten keine Verknappungen des tatsächlichen Rohölangebots. Knapp sind von Zeit zu Zeit allenfalls die gewünschten Rohöl-Qualitäten. Daher kann die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auch nur zu einer psychologischen Beruhigung der Märkte beitragen. Die Rolle des „Übeltäters“ kommt ihr in der gegenwärtigen Krise jedenfalls nicht zu.

Gleichwohl versucht die Opec, die Preisausschläge an den internationalen Rohölmärkten zu dämpfen. So hat die Organisation erst vor kurzem signalisiert, dass sie ihre Produktionskapazität über die kommenden fünf Jahre um mehr als fünf Millionen Barrel am Tag ausweiten will. Bis zum Jahr 2010 soll die Produktionskapazität des Ölkartells von heute 32,5 Millionen auf insgesamt 38 Millionen Barrel täglich erhöht werden.

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