Der spanische Versicherer Mapfre entdeckt die USA
Fluchtpunkt Florida

Erst trotzte Mapfre, Spaniens größte Versicherungsgruppe, mit einer vorausschauenden Strategie der Krise an den Aktienmärkten; jetzt setzen die Spanier zur internationalen Aufholjagd an. In Lateinamerika, traditionelle Domäne spanischer Unternehmen, gilt Mapfre bereits als größter ausländischer Versicherer. Nun ist Nordamerika angesagt. 2004 soll es soweit sein, wie Santiago Gayarre, Chef von Mapfre América, ankündigt.

MADRID. Ob Mapfre von der kriegerischen Aufgeschlossenheit des spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar profitieren will? Angeblich ist in den USA die Wertschätzung spanischer Produkte jedweder Art gestiegen, weil das iberische Land die Vereinigten Staaten im Feldzug gegen den Irak unterstützt hat.

Zunächst hat der Versicherer die spanisch sprechende Bevölkerung in Florida im Visier. Von denen erhoffen sich Spanier ohnehin eine Vorliebe für ihre Produkte. Doch in erster Linie muss Mapfre wohl mit konkreten Angeboten punkten. Analysten sind aber zuversichtlich, dass das gelingen könnte. An der Börse in Madrid wird der Vorstoß positiv bewertet, obwohl die Expansion nicht die börsennotierte Holding Corporación Mapfre S.A. betreibt, sondern Mapfre Mutualidad, die das Autoversicherungsgeschäft managt und nicht an der Börse gelistet ist.

Was die Expansionspläne für die Aktionäre von Corporación Mapfre bedeuten, darüber gehen die Meinungen der Beobachter auseinander. Einige Analysten erwarten einen weiteren Schub für die Aktie, die seit Januar bereits 30 Prozent zugelegt hat und im Juli in den spanischen Leitindex Ibex 35 aufgenommen worden ist. Selbst im schlechten Börsenjahr 2002 hatte das Papier ein zweistelliges Plus geschafft und war damit einer der wenigen Lichtblicke für die Anleger. Andere Analysten sind jedoch aufgrund dieser Rally skeptisch und halten das Unternehmen mit einer Börsenkapitalisierung von derzeit 1,8 Mrd. Euro für leicht überbewertet. Das Brokerhaus Ibersecurities in Madrid rät bereits seit einigen Wochen zum Verkauf der Aktie.

Die jüngsten Zahlen haben die die Analysten allerdings überzeugt: der Nettogewinn erhöhte sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Versicherer ist damit auf gutem Weg, die eigene Prognose zu übertreffen, bis 2006 jährlich um zehn Prozent zuzulegen. Analysten trauen dem Unternehmen, das eigenen Angaben zufolge mit Akquisitionen von Versicherern im Nachbarland Portugal sowie in Italien und in Osteuropa liebäugelt, die Kraft für weitere Expansion zu.

Corporación Mapfre betreibt fast das gesamte Geschäft des Konzerns außer der Autoversicherung (Mapfre Mutualidad) und der lateinamerikanische Leben-Sparte (Mapfre América Vida). Zum Nettogewinn der gesamten Gruppe Sistema Mapfre trägt Corporación Mapfre mehr als die Hälfte bei.

An Spaniens Marktführer lässt sich die gute Verfassung der Branche in dem iberischen Land ablesen. Während Europas Versicherungskonzerne noch unter den Folgen der Börsenkrise leiden, geht es den spanischen Versicherern vergleichsweise gut: Sie hatten deutlich weniger in Aktien investiert, sondern vor allem auf Immobilien und festverzinsliche Wertpapiere gesetzt. Zudem läuft das Geschäft in Spanien gut, wo das Versicherungsniveau im europäischen Vergleich niedrig ist.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%