Der S&P 500 überspringt die 1 200- Punkte-Marke
Schwierige Hürde

Alle Aufmerksamkeit richtete sich Anfang der Woche auf die US-Notenbank, die am Dienstag den Leitzins erhöhte. Dabei fand eine kleine Sensation wenig Beachtung. Erstmals seit 8. August 2001 hat der breit gefasste S&P 500 wieder die Marke von 1 200 Punkten überschritten.

DÜSSELDORF. Nach einem langen Weg durch ein Tal der Tränen haben Dividendentitel wieder eine psychologisch wichtige Marke erreicht. Und sie stehen heute wesentlich solider da als im Jahr 2001. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der im Index vertretenen Werte lag Ende 2001 auf Grund der schwachen Gewinne bei knapp 30, heute beträgt es – bezogen auf die abgelaufenen 12 Monate – nur noch 18,6. Gemessen an den Gewinnen, sind Aktien also wesentlich günstiger als damals. „Wir haben wieder ein normales Umfeld erreicht“, sagt Marktanalyst Howard Silverblatt von Standard & Poors. Von ihren üppigen Erträgen schütten die Unternehmen zudem mehr aus. 376 der im Index vertretenen Werte zahlen heute Dividende, sieben Prozent mehr als damals. Die Cashbestände der Unternehmen sind mit knapp 600 Mrd. Dollar zwei Drittel höher als 2001. Die Konzerne haben sich gesund gespart und ihre Kassen sind so voll wie noch nie.

Anleger können Aktien wieder vertrauen. Aber längst nicht allen und auf keinen Fall blind. Denn der S&P 500 ist immer noch mehr als 20 Prozent von seinem Höchststand entfernt. Technologiewerte liegen sogar um zwei Drittel unter ihrem Redkordhoch. Damit befinden sich die 500 größten Titel der USA nach wie vor in einem Bärenmarkt. Auch sind die Kurse in letzter Zeit wesentlich schwächer gestiegen, als kurz nach dem Tiefstand Ende 2002. Und das Kursgewinnverhältnis liegt immer noch über dem langjährigen Durchschnitt von etwa 15.

Die Warnung der Chartanalysten sollten Anleger nicht in den Wind blasen: Spätestens bei 1 250 kommt ein größerer Widerstand. Dafür spricht auch, dass sich das Gewinnwachstum schon wieder deutlich verlangsamt hat. Um etwa zehn Prozent dürften die Unternehmensgewinne im kommenden Jahr wachsen, schätzt Standard & Poors. Im zu Ende gegangenen Jahr waren es um die zwanzig Prozent. Da sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Weiterer Gefahrenpunkt: Steigende Zinsen könnten Anleihen wieder attraktiver machen und Anleger aus dem Aktienmarkt weglocken. Kleinere Unternehmen spüren höhere Zinsen zudem meist schmerzhaft als wichtigen Kostenfaktor. Entsprechend holprig dürfte die weitere Wegstrecke für Aktienkurse werden.

Neue Kursgewinne sind also auch in einem deutlich besseren Umfeld nicht selbstverständlich. Anleger, die vom Renditepotenzial der Anlageklasse Aktie profitieren wollen, müssen deshalb weiterhin sorgfältig auswählen.

Gute Chancen haben etwa die Hersteller von Konsumgütern des täglichen Bedarfs. Im Langzeitvergleich legen sie in Zeiten eines schwächer werdenden Gewinnwachstums die beste Kursentwicklung vor. Anleger sollte sich vor allem die Titel des Lebensmittelherstellers General Mills (Cheerios, Häagen-Dasz) oder von Pepsi-Cola ansehen. Auch Procter & Gamble und Wal-Mart gehören zu den attraktiven Werten dieser Kategorie.

Ein Klassiker sind Pharmawerte und weitere Titel aus dem Gesundheitssektor. Auch sie legen gewöhnlich gute Kursentwicklungen in einem Umfeld sich abschwächender Gewinne vor. Johnson & Johnson, Bristol Myers Squibb oder Ely Lilly gehören als attraktive Standardwerte in diese Kategorie.

Selbst einige Technologiewerte sind jetzt wieder attraktiv. Besonders wenn sie schon lange im Geschäft sind und eingeführte Produkte mit hoher Marktmacht vorweisen. Dazu zählt etwa auch die Microsoft-Aktie. Auch wenn die Märkte nicht mehr weiter steigen: attraktive Einzeltitel gibt es immer.

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