Der viertgrößten britischen Bank geht nach starkem Wachstum die Puste aus
HBOS spürt die Skepsis

Seit dem 31. Juli steht die Aktie der britischen Bank HBOS plc unter Druck. Zwar sank auch der britische Banken-Index, doch bei weitem nicht so stark wie HBOS.

LONDON. Bis zum vergangenen Freitag (am Montag herrschte feiertagsbedingte Börsenruhe) verlor der Kurs nahezu kontinuierlich um mehr als 6,5 %, obwohl der FTSE-Index im gleichen Zeitraum um mehr als 1,5 % zulegen konnte.

Der Rückgang erscheint umso erstaunlicher, zumal das vor zwei Jahren aus der Fusion der größten Bausparkasse des Landes Halifax und der Bank of Scotland hervor gegangene Institut gerade am 31. Juli exzellente Halbjahresergebnisse präsentieren konnte. In einer mit positiven Überraschungen nur so gespickten Saison ragte damit das erst kürzlich nach Marktkapitalisierung zur viertgrößten Adresse aufgestiegene Institut sogar hervor: Die Gewinne stiegen um satte 24 % auf 1,78 Mrd. Pfund (fast 2,6 Mrd. Euro), und die Bank konnte mit einem Viertel des lukrativen Neugeschäfts mit Hypothekenkrediten sogar ihre eigenen Erwartungen übertreffen. Der ambitionierte Bankchef James Crosby, schon jetzt direkt und über seine Töchter drittgrößter Anbieter von Pensionslösungen, kündigte Lebensversicherern harte Konkurrenz an: „Die Banken werden die neuen Versicherer“, sagte er und versprach, weitere Marktanteile zu gewinnen.

Doch es scheint, als würden die Aktionäre gerade an HBOS ihre Skepsis gegenüber britischen Banken festmachen. Denn die guten Zahlen aller Institute gründen vor allem auf dem phänomenalen Wachstum der Hauspreise und dem Kredithunger heimischer Verbraucher. Zwar glaubt niemand (offiziell) an ein abruptes Ende des Booms, der die gesamte britische Wirtschaft am Leben erhält. Doch wenn es zu einem Abschwung kommt, sind die Banken wohl mit am stärksten betroffen.

Die Skepsis der Investoren macht sich nicht umsonst an HBOS fest. Ausgerechnet dieses Institut hat den Expansionskurs im Privatkundengeschäft vor allem seinen aggressiven Konditionen zu verdanken. Neben günstigen Hypothekenkrediten bot HBOS schon 2002 Zinsen auf Girokonten an – lange bevor die Wettbewerbskommission die anderen vier Großbanken dazu Mitte vergangenen Jahres aufforderte. Stets schwingt deshalb bei Analysten die Sorge mit, das Management könne Kredite nahezu um jeden Preis und ohne zu kritische Prüfung vergeben.

Außerdem konzentriert sich die Bank traditionell fast ausschließlich auf das Königreich. Die mangelnde Diversifizierung könnte HBOS deshalb bei einem nationalen Abschwung deutlicher schwächen als eine Royal Bank of Scotland oder HSBC. Die kürzlich von HBOS für umgerechnet 620 Mill. Euro übernommene Bank of Western Australia dürfte daran wenig ändern. Zumal noch nicht klar ist, ob das Management die Bank als Sprungbrett in den Markt behalten will oder sie nur aufpäppelt und weiterverkauft.

Das HBOS-Management wehrt sich stets gegen die Vorwürfe zu riskanter Politik. Der Anteil der Rückstellungen für schlechte Kredite am Gesamtportfolio liegt mit 1,8 % fast auf dem Niveau des Vorjahres (1,75 %) und spiegele das Risiko adäquat wieder, heißt es aus der Zentrale in Edinburgh. Auch die Analysten von CSFB warnen vor Übertreibungen. Fast zwei Drittel der Kredite aus dem Portfolio stellen Ausleihungen an Private dar, der Beleihungswert liegt im Schnitt bei gut 40 %. Ein Großteil der übrigen Kredite sei über Sachanlagen gesichert.

Trotzdem wird es für HBOS schwer, eine ähnlich gute Entwicklung zu zeigen wie zuletzt. Die interne Messlatte für die Eigenkapitalrendite liegt mit 20 % hoch. Um das zu erreichen, dürfen die – wegen der verstärkten Konkurrenz eher sinkenden – Margen nicht fallen, müssen die Kosten unter Kontrolle bleiben und darf die Kreditqualität nicht sinken. Zudem muss HBOS weiter deutlich über dem Durchschnitt wachsen. Die Ansicht der Investoren, ob das gelingen kann, spiegelt der Aktienkurs wider.

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