Deutsche Anbieter geloben mehr Transparenz: Derivate-Debatte

Deutsche Anbieter geloben mehr Transparenz
Derivate-Debatte

Immer wieder reiben sich führende Köpfe der Finanzwelt an Derivaten. Befürworter und Kritiker halten sich dabei in etwa die Waage.

FRANKFURT/M. Im Hinblick auf Deutschland kritisieren Angelsachsen vor allem die Strukturen des Marktes für auf Privatanleger zielende Derivate (Optionsscheine und Zertifikate) als intransparent. Der Handel spielt sich vorwiegend an der Stuttgarter Euwax und im Smart Trading der Deutsche Börse ab. Diese Kritik haben sich Deutschlands Emissionsbanken zu Herzen genommen. Die in der Fachorganisation Derivate-Forum vereinten fünf Banken (Deutsche Bank, DZ Bank, HypoVereinsbank, Sal. Oppenheim und WestLB) wollen im Interesse der Anleger mehr Transparenz wagen. Eine im Auftrag des Forums erarbeitete Studie der European Business School gibt jetzt erstmals Aufschluss über die Größe dieses boomenden Segmentes.

Danach waren Ende des Jahres 2004 in Deutschland in diesen Derivaten wie Anlagezertifikaten, Hebelzertifikaten, Optionsscheinen und anderen strukturierten Produkten etwa 50 Mrd. Euro investiert. Durch diese Datenerhebung erhält der deutsche Derivatemarkt eine völlig neue Informationsqualität; denn bislang standen Anlegern nur Zahlen über die an den genannten Börsen in diesen Produkten erzielten Umsätze zur Verfügung.

Doch die Studie gibt nicht nur Aufschluss über die Struktur des Marktes, sondern auch über das Anlegerverhalten bei Derivaten. Die Ergebnisse überraschen nicht: Als weniger riskant geltende Anlageprodukte wie Indexzertifikate werden von Anlegern im Durchschnitt über einen Zeitraum von 40 Monaten gehalten, während sich Spekulanten Hebelprodukte wie Optionsscheine nur sechs Tage ins Depot legen.

Die Studie zeigt ein sich seit Jahren beschleunigendes Wachstum. Ein Ende dieser Dynamik sei nicht zu sehen, heißt es. „Wir erwarten bei den Nettomittelzuflüssen auf Jahresbasis ein Wachstum von rund 20 bis 30 Prozent“, sagen die Fachleute der Interessenvertretung Derivate-Forum. All dies zeigt: Bei Finanzderivativen kann Deutschland im Konzert der Großen also durchaus erfolgreich mitspielen. Trotzdem ist eine Schwäche zu entdecken. Den stark in die Weltwirtschaft integrierten deutschen Unternehmen fehlt es im Rohstoffbereich an geeigneten derivativen Instrumentarien zur Absicherung der Risiken. Doch die anderen Marktsegmente lassen diese Schwäche vergessen. Deutschland verfügt mit der Eurex über die weltgrößte Terminbörse und ist bei der Entwicklung von Derivaten für Privatanleger an der Spitze.

Kein anderer Finanzplatz in der Welt kann mit einer solchen Fülle Derivaten aufwarten, die den Anlegernerv treffen. Ignoriert man die im Rohstoffsektor existierenden Missstände, so ist Deutschland mit Fug und Recht als Derivate-Champion zu bezeichnen. Und dennoch: Vom Idealbild ist der Markt weit entfernt. So beäugen ausländische Aufsichtsbehörden die Strukturen des hiesigen Derivatemarktes für Privatanleger sehr kritisch.

Wie es sein könne, dass die Banken bei Zertifikaten und Optionsscheinen gleich mehrere Funktionen ausfüllten und sich in der Rolle der Emittenten, der Marktmacher und der Kurssteller sähen, wird gefragt. Und: Welcher private Anleger könne schon feststellen, ob die von den Banken ermittelten Preise exotischer Optionen bei strukturierten Produkten wirklich fair seien? Als große Bürde wird auch die Vielzahl von Emissionen mit unterschiedlichen – nur schwer vergleichbaren – Spezifikationen gesehen. Last but not least wird neben den oft gigantischen Marketing-Budgets der Emissionsbanken, die letztlich die Anleger zahlen, auch die fehlende Transparenz angeprangert. Zumindest hier bietet die Branche jetzt – wenigstens im Ansatz – mehr Klarheit.

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