Die Aktie des Mailänder Bankhauses wird dennoch mit einem Abschlag gehandelt
Unicredito setzt für Banken Maßstäbe

Manchmal sind Strategiepläne dazu angetan, beim Anleger mehr Verwirrung zu stiften, als Klarheit zu schaffen. Beispiel Unicredito: Die Mailänder Großbank hat neue Zielgrößen mitgeteilt, die auf den ersten Blick ehrgeizig erscheinen: In den kommenden vier Jahren soll der Nettogewinn um durchschnittlich 14 Prozent steigen; daraus errechnet sich für 2006 ein Reingewinn von 3 Mrd. Euro. Einziger Haken daran ist, dass Unicredito bislang stets behauptet hatte, bereits im kommenden Jahr so viel verdienen zu wollen.

Nun runzeln Beobachter die Stirn und fragen sich, ob das eine Gewinnwarnung ist. Das wäre schlecht für die Aktie und der Titel müsste eigentlich nachgeben. Aber offenbar hat der Markt die alten Ertragsziele bereits skeptisch gesehen und dies in der Bewertung berücksichtigt. Da dies alles wie Kaffeesatzleserei klingt, erscheint eine fundamentale Betrachtung sinnvoll. Hier ist zunächst festzuhalten: Unicredito Italiano befindet sich seit Jahren in der qualitativen Spitzengruppe der europäischen Großbanken. Mit einer Kostenquote unter 55 Prozent und einer Eigenkapitalrendite über 17 Prozent war Unicredito 2002 wieder einmal eine der besten Banken auf dem Kontinent.

Die Aktie bietet unter Bewertungsgesichtspunkten noch Phantasie: Denn Unicredito wird unter Berücksichtigung der neuen Prognosen gegenüber den Konkurrenten mit einem Kursabschlag gehandelt. Mit einem 2003er Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12 und einer Dividendenrendite von 5 Prozent erscheint die Aktie attraktiv. Die Aktie notiert noch rund ein Drittel unter ihren Höchstständen von Ende 2000; sie hat sich aber auch wieder ein gutes Stück von den Tiefstständen aus diesem Frühjahr entfernt.

Die Strategie, auf das Geschäft mit der Massenkundschaft im Inland zu setzen und in Mittel- und Osteuropa ein dichtes Netz von Auslandsbanken zusammenzukaufen, hat sich als richtig erwiesen. In der Krise hat sich die defensive Positionierung mit einem relativ geringem Engagement in riskanten Geschäftsfeldern wie dem Investment-Banking bezahlt gemacht.

Zudem lässt die Strategie weitere Kursphantasie zu: Unicredito hat betont, in den kommenden vier Jahren in erster Linie organisch wachsen zu wollen. 430 neue Filialen sollen im Inland eröffnet werden. Eine solche Form der Expansion ist in der Regel billiger als die Übernahme eines Konkurrenten. Dies kann zwar angesichts eines möglichen Kaufes der Römer Banca Nazionale del Lavoro nicht ausgeschlossen werden; die Wahrscheinlichkeit externen Wachstums scheint aber gesunken.

Zudem sticht die Organisation hervor: Unicredito hat sich Anfang dieses Jahres eine neue Struktur verpasst, die bislang gute Ergebnisse erzielt hat. Demnach sind unter einer schlanken Holding nunmehr drei selbstständige Spezialbanken aufgehängt: für die Massenkundschaft, die vermögenden Privatklientel und die Firmen. Dadurch soll die ohnehin hohe Effizienz weiter gesteigert werden. Und schließlich verfügt Unicredito über ein Top-Management: Alessandro Profumo und sein Team haben seit 1995 eine außergewöhnliche Arbeit in der früher staatlichen Bank geleistet. Was spricht dagegen, dass dieser Klassemanager auch in Zukunft überdurchschnittliche Leistungen vollbringen wird?

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