Die Aktien von Renault und Peugeot machen sich gut
Französische Modelle

Die Franzosen kommen. Nach düsteren Bilanzen in den frühen 90er-Jahren haben Renault und PSA Peugeot-Citroën längst zur Weltspitze aufgeschlossen – nicht nur mit populären Modellen wie dem Renault Megane und dem Peugeot 206, sondern auch in puncto Rentabilität und Aktienperformance.

PARIS. Allerdings befinden sich Frankreichs Autobauer in unterschiedlichen Phasen: Während Renault ein Rekordergebnis nach dem anderen vorlegt, hängt das Schicksal von PSA von einigen neuen Modellen ab, die in den kommenden sechs Monaten auf den Markt kommen. Wer Renault-Aktien kauft, setzt auf Stabilität. Wer Peugeot-Aktien kauft, leistet sich eine Prise Nervenkitzel.

Klein, aber fein – das ist Renault. Dem Umsatz nach ein Drittel kleiner als der Riese PSA, hat der Konzern die Konkurrenten mit dem eigenwillig eckigen Design seiner Karossen manches Mal zu Spott gereizt. Aber unterm Strich hat Renault-Chef Louis Schweitzer das Meiste richtig gemacht. Das Familienauto Megane ist 2004 der Bestseller in Westeuropa. Und auch die Kleinwagen Twingo und Clio laufen so gut, dass so mancher bei General Motors, Fiat oder Toyota neidisch werden müsste. Alleine im ersten Halbjahr 2004 verdiente Renault soviel Geld wie im ganzen Jahr 2003: 1,5 Milliarden Euro.

Und Renault wagt neue Ideen: Als erster Autokonzern hat die Marke mit dem Rauten-Logo ein 5000-Euro-Auto entwickelt. Der „Logan“ soll zum Volksauto in Schwellenländern wie China, Rumänien oder dem Iran werden. Hier erwarten Manager zwei Drittel des künftigen Wachstums ihrer Branche.

Dritter Pluspunkt: Renault-Chef Schweitzer hat das Geld seiner Aktionäre clever investiert, als er 44 Prozent am japanischen Konkurrenten Nissan kaufte. Die Beteiligung ist hochprofitabel: Zwei Drittel des Renault-Konzerngewinns kommen aus Tokio. Absender ist Nissan-Chef Carlos Ghosn, einer der schillerndsten, aber auch gefürchtetsten Manager der Branche. Mitte 2005 zieht Ghosn um: Dann löst er Schweitzer an der Renault-Spitze in Paris ab.

Masse und ein bisschen zu wenig Klasse – das ist PSA. Nach Volkswagen ist der Konzern mit einem Um-satz von 54 Milliarden Euro Europas zweitgrößter Autobauer. Derzeit ringt PSA-Chef Jean-Martin Folz allerdings mit einer kleinen Delle im Chassis: Erfolgsmodelle wie der 206 sind nicht mehr taufrisch, aber neue wie der Golf-Konkurrent Citroën C4 und der Kleinwagen Peugeot 1007 sind noch nicht auf dem Markt. Immerhin: Die Peugeot-Limousine 407 ist so gut angelaufen, dass Folz vergangene Woche seine Ergebnisprognose für 2004 erhöhen konnte: Besser als 2003 wird dieses Jahr allerdings dennoch nicht werden.

Für Folz und die PSA-Aktie hängt viel davon ab, ob die neuen Modelle die alternden Kassenschlager voll ersetzen können. Den Vergleich zu großen Konkurrenten wie VW oder Fiat muss Folz aber nicht scheuen: Sie mussten ihre Prognosen für 2004 senken – VW auch deswegen, weil der neue Golf zu teuer ist und zum Ladenhüter zu werden droht.

Entsprechend der Geschäftszahlen entwickelten sich zuletzt auch die Aktien der französischen Autokonzerne: Während die Renault-Titel den französischen Leitindex CAC40 in den vergangenen zwölf Monaten deutlich abhängten, entwickelten sich PSA-Papiere lange unterdurchschnittlich und hatten erst seit April ihren Rückstand wettgemacht. Dass sowohl bei Renault als auch bei Peugeot noch Luft ist im Aktienkurs, zeigten die Reaktionen auf die guten Halbjahreszahlen vergangene Woche. Die Renault-Aktie zog gleich um sechs Prozent an, PSA immerhin um fünf Prozent.

Als Blue Chip mit Goldrand halten die meisten Analysten Renault weiterhin für einen klaren Kauf. Das PSA-Papier stuft die Mehrheit der Profis auf „halten“. Reüssieren aber die neuen Modelle des Konzerns, hat das Papier mittelfristig noch etwas mehr Spielraum nach oben als das von Renault.

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