Die Altersvorsorge birgt Kurspotenzial für Versicherer
Der Verkaufsturbo

Angesichts bröckelnder staatlicher Rentensysteme stößt das Thema private Altersvorsorge bei den Verbrauchern auf offene Ohren. Hier liegt fraglos ein gewaltiges Geschäftspotenzial für die Versicherungsbranche, die in Europa traditionell eine starke Stellung im Geschäft mit der Vorsorge inne hat. Wohin die Reise gehen kann, zeigen Schätzungen der WestLB.

DÜSSELDORF. Deren Analysten halten eine Verdopplung des Geschäftsvolumens mit der privaten und betrieblichen Altersvorsorge bis zum Jahr 2025 für möglich. Dies birgt viel Stoff für Kursphantasien für Versicherer, egal ob sie Allianz, Axa oder Generali heißen.

In der Tat laufen der Branche die Kunden derzeit in Scharen zu, in Deutschland noch beschleunigt durch drohende steuerliche Verschlechterungen für das Lebensversicherungen. Zwar hängt die Branche auch von der Entwicklung solcher Rahmenbedingungen ab. Doch über den künftigen Markterfolg und damit mittelfristige Kurspotenziale der Aktien entscheiden auch eine Reihe unternehmensindividueller Faktoren. Dazu zählen Produktepalette und Strategie ebenso wie Finanz- und Vertriebskraft.

So stehen sich in der deutschen Versicherungswirtschaft derzeit zwei strategische Lager gegenüber. Die einen setzen auf die traditionellen Garantien als Trumpf im Verkaufsgespräch mit dem Kunden. Dazu zählt die Allianz. Dies können sich allerdings dauerhaft nur solche Unternehmen erlauben, die nach der gerade überstandenen Börsenkrise noch über ausreichende Reserven verfügen. Zum zweiten Lager zählen Anbieter wie die Axa-Gruppe, welche am liebsten weitgehend auf die traditionellen Garantien verzichten würden.

Für wen werden die Kunden sich entscheiden? Angesichts hoher Verluste in der abgeschlossenen Börsenkrise ist das Sicherheitsbedürfnis vieler Anleger deutlich gestiegen. Was nutzen dem Einzelnen auch hohe Renditechancen, wenn er im Alter aufgrund möglicher Ausfallwahrscheinlichkeiten mit leeren Händen dastehen könnte. Deshalb werden die meisten Kunden weiter klassische Policen mit Garantien kaufen wollen. Wer sie anbietet, wird vom Neugeschäft überdurchschnittlich profitieren. Garantien bleiben eben das Lebenselixier der Lebensversicherung. Ohne Garantien könnten die Policen außerdem zu leicht mit Bankprodukten verwechselt werden. Dies wäre fatal, zumal die Policen eine wesentlich geringere Flexibilität kennzeichnet.

Völlig ins Hintertreffen könnte die Assekuranz geraten, sollten die Steuervorteile für die kapitalbildenden Lebensversicherungen fallen, ohne dass die Steuervorteile für Aktien und Aktienfonds aufgehoben werden. Profitieren würden allerdings Anbieter mit einer überzeugenden Bankassekuranzstrategie. Denn in diesem Fall müssten den Kunden sowohl Absicherungs- wie auch vermögensbildende Produkte angeboten werden. Dies können sicher die Allianz mit der Dresdner Bank, die Ergo mit der Hypo-Vereinsbank oder die AMB Generali mit der Commerzbank.

Profitieren werden jedoch von dem anstehenden Altersvorsorgeboom nicht alleine die Versicherer, sondern auch die unabhängigen Vermittler von Policen. Denn statt Einzelfallentscheidungen werden immer stärker Finanzierungskonzepte über die gesamte Lebensspanne gefragt sein. Diese werden angesichts der steigenden Lebenserwartung immer wichtiger. Hier werden sich die Alleinvertriebe der Versicherer sehr schwer tun, den Verbraucher Unabhängigkeit zu vermitteln. Schließlich haben die Verkäufer nur ein Produkt anzubieten. Einen seriösen Anstrich vermitteln können nur Vermittler, die mehrere Produkte im Koffer haben. Profitieren dürften vom Vorsorgeboom daher auch Vertriebe wie MLP, DVAG und AWD.

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