Bulle + Bär
Die Bildstörung

Der Fernsehgeräteproduzent Loewe ist tief gefallen.

Im Januar 2001 war die Welt für Loewe-Aktionäre noch in Ordnung: „Die Aktie bleibt eine attraktive Daueranlage“, urteilte die Hypo-Vereinsbank und bekräftigte die „unverändert günstigen“ Aussichten des fränkischen Fernsehgeräte-Herstellers. Wer der Einschätzung der Analysten allerdings folgte, Loewe-Papiere kaufte und sie erstmal im Depot liegen ließ, hat bis heute viel Geld verloren. Denn der Kurs rutschte von damals knapp 32 Euro auf derzeit nur noch 8 Euro. Und heute beurteilten die HVB-Experten die Lage von Loewe ganz anders: „Angesichts der düsteren Ertragsperspektiven“ sei die Aktie noch immer hoch bewertet.

Wie kam es zu dem spektakulären Fall? Ganz einfach: Das Loewe-Management hat den Geschmack der Kunden falsch eingeschätzt. Das im S-Dax notierte Unternehmen hielt viel zu lange an den herkömmlichen Bildröhren-Fernsehern fest. Doch die Menschen kaufen seit Monaten lieber moderne Flachbildschirm-Fernseher. Bitter für Loewe: Das Kronacher Unternehmen hat die neuen Apparate zwar schon lange im Angebot. Doch die Palette ist nach Einschätzungen von Analysten einfach zu dünn.

Dazu kommt: Die flachen Fernseher bieten der Firma weniger Möglichkeiten, sich über das Design auszuzeichnen. Gerade durch das edle Aussehen konnte sich Loewe in der Vergangenheit aber von seinen Wettbewerbern absetzen. Die Fernseher von Loewe kosten mit durchschnittlich 1148 Euro mehr als doppelt so viel wie die Geräte auf dem gesamten deutschen Markt.

Loewe galt lange als eine der zuverlässigsten börsennotierten Firmen in Deutschland. Die Firma konzentriert sich ganz auf hochwertige, teure Fernsehgeräte und erschien deshalb als vergleichsweise wenig anfällig für die weltweit schwache Wirtschaftslage. Seit dem Frühjahr sieht sich aber auch Loewe als Opfer der Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Zudem seien viele Kunden verunsichert, welche der neuen Technologien sie auswählen sollten, betont ein Loewe-Sprecher. Deshalb hielten sich die Leute mit Käufen zurück.

Lange Zeit hatte Loewe seinen Aktionären ein hohes Wachstum versprochen: Der Umsatz sollte im Schnitt um 8 % jährlich steigen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 10 %. Doch schon im Herbst 2002 musste die Firma erstmals ihre Prognose zurücknehmen. Im März 2003 folgte dann eine unerwartete Gewinnwarnung, die den Kurs in den Keller schickte. In diesem Sommer kam es schließlich ganz hart: Loewe kündigte an, dass die Firma in diesem Jahr wahrscheinlich in die roten Zahlen rutschen werde.

Damit war die Reihe der schlechten Nachrichten aber noch nicht beendet. Die Internationale Funkausstellung im August in Berlin lief lange nicht so gut wie erhofft, die nötigen Aufträge blieben aus. Vergangene Woche teilte Loewe deshalb mit, dass für 400 Mitarbeiter bis Jahresende an zehn Tagen Kurzarbeit gelte. Zuvor hatte das Unternehmen die Wochenarbeitszeit in der Produktion am Stammsitz in Kronach bereits auf 29 Stunden gesenkt.

Analysten gehen davon aus, dass die Lage angespannt bleibt. So rechnen die Experten auch für das kommende Jahr mit Verlusten. Daran dürften sportliche Großereignisse wie Olympia und Fußball-Europameisterschaft – die normalerweise den Umsatz ankurbeln – nichts ändern. „Da die Probleme von Loewe hauptsächlich in der Modellpalette liegen, erscheint eine Wette auf positive Effekte durch die anstehenden sportlichen Großereignisse als verfrüht“, so das Urteil der Analysten von der Investmentbank Equinet.

An der Börse ist Loewe weniger als 60 Mill. Euro wert. Längst wird deshalb spekuliert, dass ein asiatischer Wettbewerber einsteigen könnte, um sich eine gut eingeführte Marke in Deutschland zu sichern. Gut möglich, dass die Übernahmespekulationen dem Kurs in den nächsten Monaten einen Schub geben. Die Aktie könnte ein bisschen Rückenwind gut gebrauchen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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