Die Börse China wird für Anleger zum Maß aller Dinge: Strategisch handeln

Die Börse China wird für Anleger zum Maß aller Dinge
Strategisch handeln

Da verstehe noch einer die Börsenwelt! Die dynamischste Volkswirtschaft der Welt – die Volksrepublik China – verzeichnet seit Jahren ein gigantisches wie ebenso nachhaltiges Wachstum von sieben bis neun Prozent.

FRANKFURT/M. Doch die Wertpapierbörsen in Shanghai und Shenzen spiegeln diesen beispiellosen wirtschaftlichen und politischen Aufbruch nicht wider. Im Gegenteil: Die Aktienkurse an Chinas Börsen befinden sich seit Mitte 2001 auf Talfahrt. In diesen beinahe vier Jahren büßte der Shanghai-Composite-Aktienindex fast die Hälfte seines Wertes ein.

Dies lässt nach herkömmlicher Deutung des Zusammenhangs zwischen Börse und Realwirtschaft gleich mehrere Schlussfolgerungen zu. Entweder sind die Börsen in China nicht oder noch nicht das Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung dieses Landes. Oder aber in der Kaufzurückhaltung der Akteure an Chinas Börsen kommt die Erwartung drohenden ökonomischen Unheils zum Ausdruck.

Eine detaillierte Analyse der chinesischen Börsen lässt jedoch auch andere Erkenntnisse zu. Wichtig zu wissen ist, dass sich die Aktienmärkte im Reich der Mitte noch immer in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden. Die Marktkapitalisierung der rund 1350 Gesellschaften – viele befinden sich noch immer teilweise in staatlichem Besitz – liegt gerade einmal bei 500 Mrd. US-Dollar. Zum Vergleich: Alleine die Kapitalisierung der im S&P-500-Aktienindex in den USA enthaltenen Unternehmen erreicht mehr als 10 Bill. US-Dollar. Ergo: Chinas Börsen können vor diesem Hintergrund kaum verlässlich die ökonomische Entwicklung des Landes reflektieren.

Ein weiterer Grund für die Kursschwäche chinesischer Aktien ist darin zu sehen, dass ausländische Investoren nur einen stark eingeschränkten Zugang zu diesen Märkten haben. Und last but not least ist zu berücksichtigen, dass den Börsen zuletzt viel Liquidität durch Privatisierungen und Neu-Emissionen entzogen wurde.

Wer strategisch – und damit langfristig – denkt, sollte zum Resultat kommen, dass China für Anleger weiter eine Jahrhundert-Chance bietet. Denn heute führt keine ökonomische und politische Diskussion am Thema China vorbei. Zunächst in den westlichen Industrieländern lediglich als riesiger Absatzmarkt für eigene Produkte gepriesen, wird der Produktionsstandort China in jüngster Zeit im Westen mehr und mehr als Konkurrent im globalen Wettbewerb gefürchtet. Grund: Das in China vorhandene unerschöpfliche Reservoir an äußerst billigen Arbeitskräften gefährdet nicht nur die Stabilität der Arbeitsmärkte etablierter Volkswirtschaften, sondern auch deren gesamten Sozialsysteme.

China wird trotz aller Dementis nicht umhin kommen, seine Währung freizugeben und eine Aufwertung gegenüber den kränkelnden Weltwährungen Euro und Dollar zuzulassen. Eine (limitierte) Freigabe des Yuan-Wechselkurses wird vor dem Hintergrund der zunehmenden Ungleichgewichte im Welt-Finanzsystem eher früher als später kommen. Wichtig für die Anleger: Die Regierung in Peking wird diesen Schritt wohl nicht lange zuvor ankündigen.

Als Anlageland ist China heute wohl am ehesten mit dem Japan der 60er und 70er Jahre zu vergleichen. Wer damals mit Weitblick einstieg, hat bis zum großen Crash in Tokio sowohl über die Aufwertung des Yen als auch über den Superzyklus an Japans Aktienmarkt immense Kursgewinne erzielt. Für Anleger mit langem Atem dürften China-Investments ähnlich lukrativ werden.

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