Die Deutsche Post geht wieder auf Einkaufstour
Ex(z)ellente Chance

Klaus Zumwinkel hat ein großes Ziel. Der Chef der Deutschen Post will sein Unternehmen zum größten Logistikkonzern der Welt machen.

DÜSSELDORF. Kleiner Schönheitsfehler: Der Löwenanteil des Konzernergebnisses kommt heute aus dem monopolgeschützten Briefbereich – und nicht aus dem Logistikgeschäft. Das soll und muss sich ändern, denn der Schutz des Monopols fällt 2008 weg. Die Deutsche Post will daher künftig die Hälfte des Ergebnisses außerhalb des Briefgeschäfts erzielen. Da sie das aus eigener Kraft nicht stemmen kann, muss Zumwinkel weiter auf Einkaufstour gehen.

Die Gelegenheit ist günstig. Geld ist in der Unternehmenskasse vorhanden, die Verschuldung ist niedrig, die Liquidität hoch. Durch den angepeilten Börsengang der Tochter Postbank kommen schätzungsweise 2,5 Mrd. Euro herein. Kein Wunder also, dass Zumwinkel bereits begehrliche Blicke auf interessante Übernahmekandidaten wirft – so etwa auf Exel. Der britische Konzern gilt mit einem Umsatz von 7,3 Mrd. Euro als Marktführer in Sachen profitable Kontraktlogistik, dem Angebot maßgeschneiderter Logistiklösungen für Unternehmen, die das bislang vorwiegend selbst erledigt haben. Outsourcing der Logistik gilt als Wachstumsmarkt mit zweistelligen Zuwachsraten. Zwar tut die Post Annäherungsversuche bei Exel als „Marktgerüchte“ ab, die sie nicht kommentieren will – doch an solchen Gerüchten ist immer etwas dran. Zumal der Börsenbrief „Czerwensky intern“ berichtet, dass sich die Post bereits grundsätzlich mit den Exel-Chefs auf eine Übernahme verständigt haben soll. Die Buchprüfung (due diligence) sei bereits abgeschlossen.

Nils Machemehl, Analyst von M. M. Warburg, hält eine Übernahme von Exel strategisch für interessant, weil das die Marktposition der Post in der Kontraktlogistik deutlich stärken würde. Finanziell hält er die Übernahme aber für unattraktiv. Exel hat eine Marktkapitalisierung von 3,3 Mrd. Euro. „Inklusive einer Akquisitionsprämie und der Übernahme von Verbindlichkeiten könnte die ca. 4,3 Mrd. Euro kosten.“

Doch wenn es ums Geld geht, sind Analysten von Natur aus vorsichtig. Dabei ist völlig unklar, ob die Post nicht nur an der Kontraktlogistik interessiert ist, die die Hälfte des Exel-Umsatzes ausmacht. Dann wäre der Deal erheblich preiswerter.

Aber nicht Kameralistik, sondern Weitsicht ist gefragt. Zumwinkel scheint bereit, hohe Preise für den Aufbau des Logistikgeschäfts zu bezahlen. Bereits die Summe, die er für die US-Frachtfirma Airborne auf den Tisch blätterte, hatte für Stirnrunzeln gesorgt. Doch strategisch war der Einkauf ein cleverer Schachzug. UPS und Fedex haben erstmals einen echten Konkurrenten in den USA. Bei der britischen Exel liegt die Sache ähnlich. Zwar scheint der Preis hoch, doch wäre die Post mit einem Schlag der Marktführer im Bereich Kontraktlogistik. Dies würde nicht nur die Profitabilität des Konzern erhöhen. Die Bonner könnten auch in neue Geschäftsfelder vorstoßen – etwa in die Automobillogistik.

So viel ist sicher: Ohne das komplementäre Angebot von Kontraktlogistik und Transportdiensten geht nach Auffassung der Analysten von Bears Stears International im Weltmarkt künftig nur noch wenig. In der Kontraktlogistik hat die Post noch Nachholbedarf. Da gilt es, eine gute Chance zu nutzen.

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