Die falsche Debatte um „Ausländer“ kontra „Inländer“
Das Fonds-Märchen

Ausländer laufen Deutschen den Rang ab! Headlines wie diese bestimmen häufig die Mediendebatten über das Fondsgeschäft. Die Stimmung ist aufgeheizt. Vertreter der hiesigen Anlagebranche wehren sich.

BERN. „Es ist schlichtweg ein Märchen, wenn einige ausländische Fondshäuser sagen, sie seien besser als die deutschen“, sagt Axel-Günter Benkner, in Personalunion Chef der größten deutschen Investmentgesellschaft DWS und Sprachrohr der hiesigen Fondsverbandes. Er legt Performancevergleiche eines unabhängigen Datenanbieters vor, die diese These stützen. In ihnen stehen die Kontrahenten eher gleich stark bzw. gleich schwach da.

Auch Wolfgang Mansfeld, Vorstand von Union Investment, merkt an: „Die gefestigte Realität hat mit der Wahrnehmung draußen nichts zu tun.“ Benkner bemüht noch einen Vergleich, mit dem er unterstreichen will, dass die „Ausländer“ auf deutschem Terrain nur ihre besten Produkte zulassen und so ein windschiefes Bild erzeugen würden: Das sei so, als würde man bei einem Besuch der kroatischen Basketball-Nationalmannschaft mit ihren Zwei-Meter-Männern auf den durchschnittlichen Wuchs der dortigen Landesbevölkerung schließen.

Auf den zweiten Blick entpuppt sich die erhitzte Debatte als viel Lärm um Nichts. Einen Hinweis gibt die jüngste Auswertung des Londoner Datenanbieters Citywire. Die Researcher bewerteten in wichtigen Anlagesegmenten die Leistungen von rund 2 500 Fondsmanagern aus ganz Europa. Und siehe da: In den Top Ten tauchen gleich drei deutsche Namen auf. So schlimm kann es also um die Leistung der hiesigen Strategen nicht bestellt sein.

Noch wichtiger als dieser Eindruck sind allerdings die Hinweise, dass die gesamte Debatte um Nationalitäten hinfällig ist. Auf Platz zwei der Citywire-Liste steht Markus Kaiser, ein Deutscher, der aber für eine französische Gesellschaft arbeitet. Der Drittplatzierte Daniel Varela ist Spanier und arbeitet für eine schweizerische Bank. Es wird klar: Die Finanzbranche ist multikulturell und durchmischt sich immer stärker.

Auch auf einer anderen Ebene hat die Globalisierung die Asset-Management-Branche voll erwischt. Die Gesellschaften greifen in einzelnen Bereichen, in denen sie über gar kein oder nur schwaches Know-how verfügen, auf – meist ausländische – Spezialisten zurück. Da verlassen sie sich beispielsweise bei japanischen Nebenwerten oder Wandelanleihen lieber auf hierauf konzentrierte Häuser.

Für den Anleger ist die ganze Debatte auch aus anderen Gründen irreführend. Etwa deshalb, weil die Marktanteilszuwächse der Ausländer lediglich eine Entwicklung zu „normalen“ Verhältnissen widerspiegeln. Grund: In früheren Jahren war der Markt für Ausländer praktisch abgeschottet, lag der Fondsverkauf fast ausschließlich in den Händen der großen deutschen Banken und Institutsgruppen. Jetzt öffnen sich die Grenzen. Terraingewinne der Ausländer – die fast von Null kommen – sind daher ein Schritt in Richtung Normalität.

Unbedeutend ist die Debatte für den Anleger auch, weil er den zu ihm passenden und aussichtsreichsten Fonds sucht. Auf der Checkliste der Suchkriterien steht Wichtigeres als die Nationalität des Anbieters: etwa die Qualität des Managements, verlässliche und möglichst gute Leistungen, regelmäßige und inhaltsreiche Produktinformationen.

Was die Informationen angeht, können die Anleger bei den Ausländern bald auf mehr hoffen. Der Fondsverband hat Fidelity & Co. zur Mitgliedschaft eingeladen. Wenn das Schule macht, werden Anleger Informationen etwa über Verkaufszahlen, über Fondsvolumina und Kosten im Rahmen der Verbandsstatistiken weit besser vergleichen können als es jetzt der Fall ist.

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