Die Gefahr von Finanzmarkt-Turbulenzen nimmt zu
Ende der heilen Welt

Für die Finanzmarktakteure ist das Thema „Asset Allocation“ ständig präsent. In den vergangenen drei Jahren erwies sich die Frage nach der idealen Aufteilung des vorhandenen Vermögens allerdings als nicht so drängend.

FRANKFURT/M. Auffallend war nämlich, dass sich die Anleger während dieses Zeitraums in den meisten populären Anlageklassen gut aufgehoben fühlten. Aktien, Anleihen, Rohstoffe und auch Immobilien lieferten über diesen Zeitraum hinweg durchweg positive Erträge ab. Und das nicht nur in den Industrieländern; denn die Risikoprämien von Kapitalanlagen in den Emerging-Markets schrumpften auf ein noch nie zuvor gesehenes Niveau. Diese Entwicklung der vergangenen Jahre zeichnet das Bild von der „heilen Börsenwelt“.

Doch diese heile Welt ist in Gefahr. Für die Zukunft ist die Frage nach der idealen Vermögensaufteilung nicht mehr mit den einfachen Lösungsansätzen der jüngsten Vergangenheit zu beantworten. Die Finanzmärkte blieben in den vergangenen Jahren von Turbulenzen verschont, so dass sich die Volatilität – der Fachbegriff für das Ausmaß der Kursschwankungen – allgemein auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten bewegte und noch immer bewegt. Ausgenommen hiervon waren und sind lediglich Teilsegmente des internationalen Rohstoffmarktes.

Angesichts des stark angespannten geopolitischen Klimas, der alarmierenden Verschuldung in den führenden Industrieländern sowie großer Verschiebungen und Ungleichgewichte im Welthandel durch das Auftauchen des Wirtschaftsgiganten China überrascht es, dass sich die meisten Finanzmärkte in recht ruhigem Fahrwasser bewegten. Vieles spricht dafür, dass diese vermeintliche Ruhe durch eine in der Vergangenheit zu „generöse“ Geldpolitik der Notenbanken erkauft worden ist. Hierdurch konnten die Zinsen auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren sinken.

Dass die US-Notenbank (Fed) ihren „sechsten Schritt zurück zur Normalität“ getan hat und auch die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahresverlauf möglicherweise den monetären Kurs verschärfen wird, ist auf der einen Seite ein ermutigendes ökonomisches Signal. Das Verhalten der Fed unterstreicht deren Einsicht, in der Vergangenheit überzogen zu haben. Steigende Zinsen waren in der Vergangenheit meist Ausgangspunkt für das Ende der heilen Börsenwelt. Diese potenziellen Störfaktoren könnten neue Finanzmarkt-Turbulenzen auslösen.

Die Party an den internationalen Rentenmärkten dürfte vorbei sein. Für Aktien, Rohstoffe und andere Anlageklassen ist daraus vordergründig ein positives Szenario abzuleiten. Denn wenn die Anleger bei festverzinslichen Wertpapieren Kursverluste befürchten müssen, dürften die Kapitalströme in andere Anlageformen fließen. Ein simpler Vergleich zeigt die Bewertungsunterschiede der populärsten Anlageformen Aktien und Anleihen in Europa. Der DJ Euro Stoxx 50 wird mit dem 14,8fachen der für 2005 erwarteten Gewinne bewertet. Das Kurs-Ertrags-Verhältnis zehnjähriger Euro-Staatsanleihen liegt etwa doppelt so hoch bei 28,6.

Doch nicht nur Aktien erscheinen heute interessant: Geht der wirtschaftliche Aufschwung in Fernost weiter, werden die Rohstoffpreise durch die anhaltend hohe physische Nachfrage gestützt. Denn die Umsetzung der von der Rohstoffwirtschaft geäußerten Pläne zur Erweiterung der Produktionskapazitäten lässt noch für geraume Zeit auf sich warten. Zunächst aber scheint aus den globalen Rohstoffmärkten jene spekulative Luft zu entweichen, die durch Hedge-Fonds und andere risikobereite Anleger in den vergangenen Monaten aufgebaut worden war.

Diese anlagestrategischen Überlegungen setzen allerdings voraus, dass nachhaltige Störungen und Turbulenzen durch die oben erwähnten Schwachstellen der Weltwirtschaft ausbleiben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Anleger auf ein störungsfreies Umfeld allerdings nicht unbedingt wetten sollten.

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