Die Höhe der Gebühren sollte bei der Fondsauswahl nicht im Vordergrund stehen
Günstig ist nicht unbedingt gut

Im Ausland ist alles besser, heißt es. Verteter dieser Meinung erhalten Rückendeckung durch einen transatlantischen Gebührenvergleich von Fondsprodukten. Doch ein einfacher Zahlenvergleich greift zu kurz.

FRANKFURT/M. Im Ausland ist alles besser, heißt es. Verteter dieser Meinung erhalten Rückendeckung durch einen transatlantischen Gebührenvergleich von Fondsprodukten. Der Datenanbieter Lipper rechnete vor, dass ein Europäer beispielsweise für einen Aktienfonds im Schnitt 1,92 Prozent pro Jahr an laufenden Gebühren zahlt, während der US-Anleger nur 1,24 Prozent berappen muss. Doch ein einfacher Zahlenvergleich greift zu kurz. Die Lipper-Analysten weisen unter anderem darauf hin, dass Fonds in Übersee meist größer sind als europäische Produkte und deshalb Fixkostenvorteile ausspielen können. Außerdem werden viele Produkte gleichzeitig in mehreren Ländern angeboten. Das bedeutet ein höherer Aufwand bei Registrierungen und im Vertrieb. Die Folge: höhere Kosten für den Anbieter und deshalb auch höhere Gebühren für den Anleger.

Investoren sollten allerdings nicht ausschließlich auf die Gebühren schauen. Sie sind zwar wichtig, aber nicht unbedingt ausschlaggebend für die gesamte Wertentwicklung des Fondsproduktes. Die laufenden Gebühren „verschwinden“ in dieser Performancezahl. Die veröffentlichten Daten in den Statistiken sind in der Regel „netto“ ausgewiesen, also abzüglich laufender Gebühren.

Diese Netto-Zahlen sind entscheidend, denn hier geht es um das, was letztlich beim Anleger herauskommt – die ohnehin verhandelbaren Kaufgebühren einmal außer Acht gelassen. Das illustriert ein einfacher Vergleich. Wer sich vor zwölf Monaten zum Kauf eines internationalen Aktienfonds entschieden hatte, streicht – angenommen, er wählt den besten Fonds aus – bei einem Einsatz von 10 000 Euro jetzt 15 000 Euro ein. Mit dem schlechtesten Produkt in diesem Zeitraum hätte er praktisch nichts verdient. Der maximal erreichbare Gewinn war demnach 5 000 Euro. Hätte der Anleger einen Fonds mit höheren Gebühren ausgewählt, so wäre – selbst bei einem Gebührenunterschied von einem Prozentpunkt – der Zugewinn nur um rund 100 Euro niedriger ausgefallen. Daraus ergibt sich folgendes Fazit: Die Qualität des Fonds bestimmt in erster Linie den Anlageerfolg. Die Gebühren dürfen bei der Produktwahl somit nicht die Bewertung der Qualität des Fondsmanagements überlagern. Zumal oft die Besten ihres Fachs keine ausgesprochenen Billigheimer sind.

Deutsche Privatanlager haben bei der Auswahl lange Zeit den Aspekt der Qualität nicht ausreichend berücksichtigt. Aber die jüngsten Statistiken weisen darauf hin, dass sich dies ändert. Denn zunehmend fließt das Geld in Produkte von Investmenthäusern und Managern, die auch bei einem längerfristigen Vergleich der Wertentwicklung überdurchschnittlich abschneiden.

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