Die Hoffnung auf ein Überleben von Yukos schwindet
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Selbst die notorisch optimistischen Analysten der Moskauer Investmentbank UFG-Deutsche haben nun ihre Hoffnungen auf ein Überleben des russischen Ölkonzerns Yukos begraben. Die Banker setzten kürzlich ihre Bewertung für den durch Milliarden-Steuernachforderungen vor dem Bankrott stehenden Ölgiganten auf „Underperform“ (unterdurchschnittlich) herunter.

HB MOSKAU. Doch Yukos muss gar nicht so schnell vom Kurszettel verschwinden. Denn das falsche Spiel des Kreml – in dem Präsident Wladimir Putin einen Bankrott als „nicht im Interesse des Staates“ bezeichnet, gleichzeitig seine Behörden aber allein in der vergangenen Woche neue Steuernachforderungen von neun Milliarden Dollar nachreichen lässt – kann sich noch einige Runden hinziehen. Dabei sitzt der Kreml wohl am längeren Hebel, hat aber ein ebenso gemischtes Blatt wie sein Gegner – die Menatep-Gruppe des inhaftierten Yukos-Gründers Michail Chodorkowskij. Sie kontrolliert 60 Prozent der Yukos-Aktien.

Der Kreml treibt in dem Machtpoker die Steuernachforderungen immer weiter in die Höhe und will die wichtigste Yukos-Fördertochter, Yuganskneftegaz (YNG), zwangsversteigern. Demgegenüber zog das Chodorkowskij-Lager jetzt die Reißleine: Am 20. Dezember soll eine außerordentliche Hauptversammlung über einen Yukos-Insolvenzantrag abstimmen. Zugleich hat Menatep Klagen vor internationalen Gerichten angekündigt, um von der russischen Regierung eine Kompensation für den Kursverlust der Yukos-Aktien seit Chodorkowskijs Verhaftung im Oktober vorigen Jahres um über 80 Prozent zu erstreiten.

Der Hintergedanke von Chodorkoskijs Kurs ist ganz profan: Yukos steht mit mehreren Milliarden Dollar bei ausländischen Gläubigern in der Kreide – zumeist solchen, die mit Menatep verbandelt sind. Diese Offshore-Firmen, wie Menatep selbst, hatte Chodorkowskij Mitte der neunziger Jahre mit Hilfe westlicher Investmentbanker in den Steueroasen der Welt gegründet, um im schmutzigen Übernahmekampf um Yukos zu obsiegen. Jetzt sollen diese dubiosen Offshore- Strukturen wieder als Waffen in Stellung gebracht werden.

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