Die italienische Auto-Aktie ist eine Wette wert
Vier Gründe für Fiat

Bei Fiat tut sich was. Nach langen Jahren des Niedergangs mit sinkenden Verkaufszahlen, hohen Verlusten, Strategielosigkeit und ständig wechselnden Chefs scheint der größte italienische Industriekonzern wieder Tritt zu fassen.

MAILAND. Sicher: Die Signale sind noch zu schwach, um daraus mit Gewissheit eine Trendwende ablesen zu können. Doch es gibt sie und das sollte Anleger aufhorchen lassen. Alle relevanten Dimensionen für den Erfolg eines Unternehmens haben sich in den vergangenen Monaten verbessert. Das sollte sich auch auf den Aktienkurs auswirken. Der dümpelt mit etwas über 6 Euro immer noch in der Nähe seines 20-Jahres-Tiefs von 5,2 Euro herum.

Es gibt vier Thesen, die dafür sprechen, dass Fiat das Gröbste hinter sich hat. Erstens: Das heutige Führungs-Team besteht aus international anerkannten Managern, die dabei sind, die verstaubte und oft bürokratische Fiat-Kultur umzukrempeln. Präsident Luca Cordero di Montezemolo hat als Chef von Ferrari in den letzten zehn Jahren bewiesen, wie man ein Weltklasseunternehmen formt. Die zahlreichen Formel-1-Siege sind nur die Spitze einer Gesamtleistung, die Ferrari zu einer der wertvollsten Marken und einem der angesehensten Unternehmen der Welt gemacht haben. Der seit Juni amtierende Exekutivchef Sergio Marchionne hat bereits in den ersten hundert Tagen einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen: Transparenz und Härte prägen seinen Stil, er besitzt Charisma und vor allem Erfahrung. „Last but not least“ sitzt mit dem früheren Audi-Boss Herbert Demel ein Top-Mann an der Spitze der besonders wichtigen Autosparte. Er hat jüngst die markenbezogenen Geschäftsfelder (Fiat, Lancia und Alfa Romeo) abgeschafft. So wird Kästchendenken aufgebrochen, Entscheidungsstrukturen werden transparenter.

Zweitens: Fiat besitzt nach Jahren der Richtungslosigkeit wieder eine klare Strategie. Durch zahlreiche Verkäufe von Töchtern und Beteiligungen – z.B. die Versicherung Toro und den Triebwerksbauer Avio – hat sich der Gemischtwarenladen aus Turin in einen fokussierten Fahrzeugkonzern verwandelt. Fiat stellt heute neben Autos nur noch Lastwagen (Iveco), Land- und Baumaschinen (Case New Holland) und Komponenten (Magneti Marelli) her. Damit bündelt Fiat seine Kräfte und kann sich darauf konzentrieren, industrielle Synergien zu heben.

Drittens besitzt Fiat heute wesentlich wettbewerbsfähigere Produkte als in der Vergangenheit. Nachdem das alte Management die wichtigsten Trends in der Automobilindustrie, völlig verschlafen hat, setzt der Konzern heute auf eine größere Vielfalt von Modellen, kürzere Produktzyklen sowie – gemeinsam mit dem strategischen Partner General Motors/Opel – den Einsatz der Plattformstrategien. Nachdem Fiat, Lancia und Alfa 2003 bereits drei neue Modelle lanciert haben, kommen bis 2007 weitere zwölf neue Typen hinzu. Zwei Ziele stecken dahinter: Zum einen sollen die Verkaufszahlen wieder steigen und zum anderen sollen die chronisch schwachen Abverkaufspreise stabilisiert werden.

Viertens lässt die Verbesserung der Ertragslage für die Zukunft hoffen. Im zweiten Quartal hat Fiat aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wieder einen kleinen Gewinn und einen positiven Mittelzufluss von 300 Mill Euro erwirtschaftet. Die Autosparte wird zwar erst 2006 einen operativen Gewinn erwirtschaften, das gute Geschäft mit Lastwagen und Traktoren kann dies aber ausgleichen. Ziel für 2007 ist ein Nettogewinn zwischen 1,4 und 1,8 Mrd. Euro. Nach den Beteiligungsverkäufen stellt sich die Finanzlage zudem recht solide dar: Die Nettoschulden betragen 4,3 Mrd. Euro, in der Kasse sind flüssige Mittel in Höhe rund 7 Mrd. Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%