Die künftig gehandelte Zukunft sieht besser aus
Fluch auf Öl-Aktien

Würden Börsianer die Gegenwart bewerten, dann ständen Öl-Aktien ganz oben in der Performance-Rangliste. Schließlich notiert der Ölpreis seit über einem Jahr auf hohem Niveau, so dass die Konzerne viel verdienen. Doch weil Investoren bekanntlich die Zukunft handeln, zählen Öl-Werte zu den großen Verlierern der Börsenrally seit knapp einem Jahr.

DÜSSELDORF. Der hohe Ölpreis weckt Spekulationen, dass dieser fallen könnte. Dafür musste erst das Ende des Irak- Kriegs herhalten, dann die angeblich bald sprudelnden Ölquellen in dem zerstörten Land. Der Krieg ging rasch zu Ende, dennoch blieben die Preise oben – und die der Ölaktien unten. Heute ist es der nahende Frühling, der niedrigere Preise wahrscheinlich macht und neue Phantasie auf geringere Erträge der Konzerne weckt.

Doch es ist nicht nur der drohende Ölpreisrückgang, der die Aktienkurse lähmt. Die Firmen leben bekanntlich nicht allein von der Förderung und ihren Erlösen. Wichtiger ist auch hier die Zukunft: Wie viel wird künftig gefördert – und vor allem zu welchen Preisen?

Royal Dutch/Shell – mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun und einer Dividendenrendite von knapp 4 % attraktiv bewertet – ist das Paradebeispiel, warum Öl-Aktienkurse nicht anspringen. Verantwortlich ist ausgerechnet die hohe Fördermenge. Diese ist so hoch, dass sie nur noch zu 70 bis 90 % durch neue Vorräte ersetzt werden kann. Der Konzern erschließt weniger Reserven, als durch Produktion verbraucht werden. Das hat zwar keine kurzfristigen Auswirkungen, beeinträchtigt den drittgrößten Ölkonzern aber erheblich. So sinken die Reserven von bisher 13 auf zehn Jahre. Forschungs- und Erschließungskosten dürften höher ausfallen als angenommen. Zudem verlangsamen die geringeren Reserven das Produktionswachstum.

Doch auch wenn die Börse die – schlechte – Zukunft handelt, sollten Anleger nicht vorschnell Öl-Aktien meiden. Der häufig beschworene und bislang nicht eingetretene Preisverfall sowie geringere und schwerer zu erschließende Reserven mögen das Geschäft vielleicht in Zukunft belasten. Die Aktienkurse sind aber durch diese schlechten Nachrichten bereits gesunken.

Die künftig gehandelte Zukunft kann anders aussehen: In der kräftigen Rally nach der schweren Baisse konzentrierten Anleger sich auf besonders stark gefallene Aktien. Dazu gehörten Finanzdienstleister und vor allem Technologie-Titel. Unterdurchschnittlich entwickelten sich hingegen Pharma, Nahrungsmittel und Energie. Solide Dividenden und kalkulierbare Wachstumsraten rücken die vernachlässigten Sektoren spätestens dann wieder in den Vordergrund, wenn die klassischen Wachstumsbranchen überbewertet sind – worauf das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei vielen High-Tech-Aktien schon heute hindeutet – und die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen können.

Während Royal Dutch/Shell mit geringer Verschuldung und niedriger Bewertung überzeugt, wartet Total-Fina-Elf mit den besseren Wachstumsaussichten auf. Die Franzosen dürften ihre Förderung in diesen Jahr um 5 % ausweiten. Der Branchendurchschnitt liegt bei weniger als 3 %. Hinzu kommt, dass Total geographisch breit aufgestellt ist und damit wenig krisenanfällig ist.

Eni erfüllt ambitionierte Gegenwarts- und Zukunftserwartungen. Die Italiener zahlen mit 5 % noch mehr Dividende als andere große Energiekonzerne. Zudem änderte das zu 30,3 % in staatlicher Hand befindliche Unternehmen seine Satzung, um sich dem Einfluss der Politik zu entziehen. Bessere Zukunft wird an der Börse selten gehandelt.

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