Die Lehren aus den jüngsten Börsengängen: Geschickt taktieren

Die Lehren aus den jüngsten Börsengängen
Geschickt taktieren

"Was drauf steht, muss runter!“ Mit deutlichen Wochen schildern deutsche Fondsmanager hinter vorgehaltener Hand, wie sie gegenüber Börsenkandidaten derzeit taktieren.

FRANKFURT/M. Tatsächlich zeichnete sich bei Paion, dem ersten Börsengang in diesem Jahr ab, dass sich 2005 das fortsetzt, was im vergangenen Jahr schon Strategie war: Die Preisvorstellungen eines Börsenkandidaten werden grundsätzlich als zu teuer bezeichnet. Auch wenn das offiziell nie so begründet wird.

Nun ist dieses Vorgehen generell nicht zu brandmarken. Dass der Profit im Einkauf liegt, gilt nicht nur bei Börsengängen. Die Kursentwicklung gerade bei Paion gibt den Investoren nämlich recht. Nachdem das Aachener Biotech-Unternehmen seine Preisspanne von ursprünglich elf bis 14 Euro auf deren Druck auf acht bis 14 Euro senken musste und anschließend erwartungsgemäß seine Aktien auch zu acht Euro platzierte, stieg der Kurs in den ersten Handelstagen um 25 Prozent. Die Lehren von Paion dürften nun ab heute Premiere und schon bald all die anderen Börsenkandidaten zu spüren bekommen.

Dass es sich beim Thema Börsengang derzeit um einen Käufermarkt handelt, das wissen natürlich auch die Verkäufer, sprich: die Börsenkandidaten. Sie taktieren ebenfalls, sprechen von hohem Interesse und einer starken Nachfrage aus dem Ausland. Wohl wissend, dass ihr Einfluss auf den Preis dennoch gering bleibt. Gerüchte, dass eine Aktie bereits vor der eigentlichen Zeichnungsfrist bei den Investoren platziert ist, sind dabei nach den jüngsten Erfahrungen ebenso mit Vorsicht zu genießen wie Meldungen über Emissionen aus dem Branchenumfeld, die sehr gut gelaufen sind.

Eine der weiteren Lehren für das Emissionsjahr 2005 lautet, dass ohne deutsche Investoren eine Emission nicht zu platzieren ist. Die Begründung dafür ist einfach. Ausländische Großanleger können zwar zweifellos die Zukunftschancen eines Produkts oder einer Unternehmensidee genauso gut einschätzen wie ihre deutschen Kollegen. Wenn sie jedoch während der Platzierungsphase deutsche Zurückhaltung auf breiter Front feststellen, hinterfragen sie gewöhnlich die eigene Einschätzung. Das liegt daran, dass der Börsenkandidat hier in der Regel seinen größten Absatzmarkt hat. Und genau dort sollte man die Aussichten am besten einschätzen können, heißt es. Außerdem kommt schnell die Vermutung auf, dass die inländischen Investoren über mehr Informationen verfügen könnten als die ausländischen.

Mit Vorsicht sind auch die Aussagen über das Investoreninteresse im Vorfeld zu genießen. Das Beispiel Paion hat deutlich gemacht, dass gerade die letzten Tage vor Ende der Zeichnungsfrist entscheidend sind. Alles was bis dahin von Investorenseite an Zusage gemacht wurde, kann noch geändert oder storniert werden. Erst in den letzten zwei bis drei Tagen kristallisiert sich heraus, ob echtes Interesse an einer Emission herrscht oder nicht. Sollte dies nicht der Fall sein, dann muss eventuell die Preisspanne gesenkt und die Zeichnungsfrist verlängert werden, um den Börsengang zu retten.

Dennoch zeichnet sich bereits nach dem Paion-IPO ab, dass in Deutschland 2005 wahrscheinlich deutlich mehr Unternehmen an die Börse gehen werden als die fünf Unternehmen, die im vergangenen Jahr den Sprung auf das Parkett wagten. Damals kam das Emissionsgeschäft nach den Absagen von X-Fab und Siltronic nur schleppend in Gang. Mifa, der erste Börsengang, fand erst Mitte Mai statt. In diesem Jahr könnten zu diesem Zeitpunkt schon mehr neue Titel auf dem Kurszettel zu finden sein als im gesamten Jahr 2004.

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