Die Mär von den geschlossenen Büchern bei institutionellen Anlegern
Alle Jahre wieder...

Die fröhliche Vorweihnachtszeit hat auch ihre Schattenseiten. Grell blinkende Sterne an Küchenfenstern gehören dazu und aufblasbare Weihnachtsmänner, die sich von Fensterbänken abseilen.

FRANKFURT/M. Eine der unerfreulichsten Erscheinungen an der Börse ist jedoch die alljährlich bereits ab dem 1. Advent wiederkehrende Floskel: „Die Bücher der institutionellen Anleger sind bereits geschlossen, deswegen sind die Umsätze so dünn“. Vor allem bei etlichen Börsen-Kommentatoren gehört dieser Satz zur Standard-Floskel wie Glühwein zum Weihnachtsmarkt.

Sicherlich ist jedem klar, dass kein Fonds- oder Asset-Manager im Zeitalter des Computers seine Umsätze mehr in Bücher schreibt. Das ist damit auch nicht gemeint. Vielmehr soll ausgedrückt werden, dass man bei den Großanlegern das Börsenjahr bereits abgehakt hat und sich deswegen bis zum Jahresende zurückhält. Einmal nachgefragt, weisen allerdings alle Gesellschaften diesen Vorwurf weit von sich. Auch ist überall nahezu die komplette Mannschaft an Bord.

Nur was sollen sie machen? Auf der Nachrichtenseite ist die Lage dünn. Der Hauptgrund: Die Unternehmen haben gerade erst ihre Neun-Monats-Zahlen vorgelegt und bereiten nun den Jahresabschluss vor. Und auf Konjunkturseite herrscht der Eindruck vor, dass sich der positive Trend der Vormonate fortsetzen wird. Keine Überraschungen also. Zudem haben die Rekordstände des Euros, ein hoher Öl- oder der aufwärts stürmende Goldpreis ihren Schrecken verloren.

So liegt die Orderanzahl in der Adventszeit tatsächlich bei rund 60 % eines „normalen“ Handelstages. Und in den zwei Handelstagen „zwischen den Jahren“, am 29. und 30. Dezember, sind dann die Handelsräume wirklich ausgedünnt. Folge: Die Orders schrumpfen auf 20 % gegenüber dem Durchschnitt.

Einen Aufreger gibt es allerdings noch. Am 19. Dezember ist „Hexensabbat“, also dreifacher Verfallstermin bei Aktienoptionen, Indexoptionen und Indexfutures. Dann kann es noch einmal heiß hergehen, vermuten Händler. Und bis dahin? Abwarten und auf alles gefasst sein, heißt die Devise. Denn nichts ist klar, außer dass es auch 2004 in der Adventszeit wieder heißt: „Die Bücher sind bereits geschlossen“.

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