Die Man Group könnte an Wachstumsgrenzen stoßen
König der Alternativen

Wenn sich Stanley Fink am Mittwoch auf der Hauptversammlung der Man Group den Fragen seiner Aktionäre stellt, dürfte es nicht mehr ganz so friedlich zugehen wie in den vergangenen Jahren.

FRANKFURT/MAIN. Für den Vorstandschef der Man Group waren die Aktionärstreffen in der Vergangenheit positiv – vermittelten sie doch über Jahre hinaus stets den Eindruck von „Friede, Freude und Eierkuchen“. Kein Wunder: Die Man Group hatte in einer Marktnische exorbitante Wachstumsraten erzielt. Der Finanzdienstleister, der als weltweit größter bankenunabhängiger Entwickler und Anbieter von Alternativ-Investments und als einer der führenden Futuresbroker gilt, profitierte jahrelang vom Boom bei Hedge-Fonds, Private Equity und derivativen Finanzinstrumenten. Auch die zweijährigen Hausse der Rohstoffmärkte ließ Man auf der Erfolgswelle schwimmen.

So verwundert nicht, dass auch das Geschäftsjahr 2003/2004 (31. März) von exorbitanten Wachstumsraten gekennzeichnet war. Das verwaltete Vermögen stieg um 48 Prozent auf 20,9 Mrd. Pfund Sterling, die Management-Gebühren schossen um 50 Prozent auf 271,1 Mill. Pfund nach oben und der Gewinn je Aktie legte 37 Prozent zu. Genügend Gründe also, um die Aktionäre zufrieden zu stellen. Zumal, da die Dividende von 23,2 Pence auf 30,0 Pence angehoben wurde.

Doch in diesem Jahr driften Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander, gibt es für die Aktionäre zahlreiche Ungereimtheiten. Die Fragen, denen sich Fink am Mittwoch wohl wird stellen müssen, werden sich nicht so sehr auf das Geschäft, sondern vielmehr auf die Aktie beziehen. Seit dem Rekordhoch Mitte April bei rund 1 860 Pence ist der Kurs der zur Eliteliga des FTSE-100-Index gehörenden Man-Aktie um 25 Prozent auf zuletzt 1 420 Pence eingebrochen. Glaubt man Chartisten – Analysten also, die den Markt anhand von grafischen Kursverläufen und anderen technischen Indikatoren bewerten –, dann steht dem Kurs weiteres Ungemach bevor, da die Aktie wichtige Unterstützungslinien nach unten durchbrochen hat.

Auch sich eher an ökonomischen Fundamentaldaten orientierende Analysten fragen nach den Gründen für den Kursverfall der Man-Aktie. So wird gemunkelt, dass sich einige institutionelle Investoren von ihren Positionen getrennt haben sollen, weil sie glauben, der Markt für Alternativ-Investments habe in zu rascher Zeit einen zu hohen Reifegrad erreicht. Hinzu kommt: Die in der Hedge- Fonds-Branche im ersten Halbjahr 2004 erzielten Ergebnisse sind schlicht enttäuschend.

Heute zeigt sich ganz offensichtlich, dass die „Kunst des Investierens“ dann schwieriger wird, wenn immer mehr Marktteilnehmer die Geheimnisse der Königsklasse der Kapitalanlage glauben entdeckt zu haben. Wenn viele das Gleiche tun wollen, werden Märkte effizienter und es bieten sich immer weniger Anlagemöglichkeiten. Zwar fanden die Hedge- Fonds-Produkte von Man noch reißenden Absatz fanden, doch stellen sich wohl immer mehr Aktionäre die Frage, ob der Appetit für die Investmentprodukte so groß bleiben wird, wie es das Management im Geschäftsbericht andeutet.

Auch wenn der Kursverlauf ein eher trübes Bild zeichnet, finden sich genügend positive Argumente für die Aktie. Anleger die daran glauben, dass Alternativ-Investments in den nächsten Jahren weiter expandieren, werden die Kursschwäche als Gelegenheit sehen. In den Management- Etagen großer Investmentbanken wird man sich eine ähnliche Frage stellen. So mancher Anleger wird daher auch mit dem Gedanken spielen, ob jene Großbanken, die in Alternativen die Wachstums- Alternative sehen, gewillt sein werden, sich das Fachwissen selbst anzueignen oder durch Übernahme des Marktführers einzukaufen.

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