Die Münchener Rück bangt um ihr Gewinnziel
Stürmische Zeiten

Die Zuversicht in der Chefetage der Münchener Rück ist deutlich geschwunden. Die vier verheerenden Hurrikane, die in der Karibik und in Florida schwere Schäden angerichtet haben, schlagen schwer zu Buche. Dadurch kommen alleine auf die Münchener Rück Belastungen von rund 500 Mill. Euro zu.

MÜNCHEN. Noch Anfang August bei der Präsentation der Halbjahreszahlen versprühte der neue Chef des weltweit größten Rückversicherers, Nikolaus von Bomhard, Optimismus. „Fabelhaft und außergewöhnlich“ seien die Zahlen für die ersten sechs Monate, jubelte der 48-Jährige.

Die Geschäfte in der Rückversicherung liefen tatsächlich gut, ein Milliardengewinn wurde erwirtschaftet. Die Prognose – ein Nachsteuergewinn von rund zwei Mrd. Euro für das Gesamtjahr 2004 – wollte von Bomhard aber nicht hochsetzen. Die Vorsicht zahlt sich jetzt aus. Denn nun – nach neun Monaten – weht dem Versicherer der Wind förmlich ins Gesicht. Die vier verheerenden Hurrikane, die in der Karibik und in Florida schwere Schäden angerichtet haben, schlagen schwer zu Buche. Dadurch kommen alleine auf die Münchener Rück Belastungen von rund 500 Mill. Euro zu.

Das Gewinnziel für 2004 sei nun „deutlich schwerer zu erreichen“, musste Konzernvorstand Stefan Heyd Mitte dieser Woche einräumen. Dazu kommt: Die Sturmsaison in der Karibik ist noch nicht zu Ende. Erfahrungsgemäß sei noch mit fünf weiteren Hurrikans zu rechnen, von denen möglicherweise einer die Küste erreichen könnte, sagt Ernst Rauch, Sturmexperte des Versicherers. In Europa drohen zudem Winterstürme und in Japan weitere Taifune. Neue Großschäden könnten also auf den Konzern zu kommen. Die Combined Ratio, das Verhältnis von Schäden und Kosten zu Beiträgen, die unter 97 Prozent liegen soll, könnte damit steigen.

Die Münchener-Rück-Aktie gab in den vergangenen Tage auf deutlich unter 80 Euro nach. Gestern legte das Papier zwar wieder leicht zu, aber auch Analysten sind inzwischen skeptisch. Die Experten von JP Morgan stuften die Aktien der Münchener Rück gar nach unten. Sie sehen aber eher weitere Probleme bei der Erstversicherungstochter Ergo, dem Sorgenkind im Konzern.

Vor allzu viel Pessimismus für das Papier des bayerischen Versicherers sei aber gewarnt. Zum einen leiden alle Rückversicherer unter der ungewöhnlichen Häufung von schweren Stürmen. Die Swiss Re, ärgster Konkurrent der Münchener, muss sogar möglicherweise in die Schaden- Schwankungsrückstellung greifen, um ihre Ziele noch zu erreichen. Auch die Hannover Rück hat zu kämpfen.

Marktführer Münchener Rück ist noch vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Der Grund: In den letzten Jahren hatten die Münchener Selbstbehalte und Haftungslimitierungen eingeführt.

Die Münchener Rück hat zudem ihr Gewinnziel ausdrücklich nicht aufgegeben. Mit dem guten ersten Halbjahr hat sich Konzernchef von Bomhard ein Polster geschaffen, das nicht so schnell aufgezehrt sein dürfte. Auch könnten große zusätzliche Verluste durch eventuelle Naturkatastrophen mit weiteren Verkäufen von Aktien aufgefangen werden. Die Beteiligung des Rückversicherers an der Allianz soll ohnehin zurück gefahren werden. Hier gibt es also Spielraum, besonders wenn sich die Börsen erholen sollten.

Die Stürme haben langfristig auch positive Auswirkungen auf die Rückversicherungsbranche. Angesichts der Gefahrensituation könnten die Preise stabil bleiben oder sogar weiter steigen. Damit rechnet auch Münchener-Rück-Vorstand Heyd. Bereits in den vergangenen Jahren, insbesondere seit den Terroranschlägen von New York, hatten die Rückversicherer die Prämien deutlich anheben können.

Für all zu großen Pessimismus besteht unter dem Strich kein Anlass. Von Kursen wie im Jahr 2001, als die Aktie der Münchener Rück fast 400 Euro wert war, sollten Anleger aber nicht träumen.

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