Die raue Börsenluft bekommt dem Unternehmen immer besser
Hypo-Group - Das Entlein wird zum Schwan

Die Operation ist gelungen – und der Patient wohlauf. Chefarzt Dieter Rampl hatte am Montag vergangener Woche den schwierigen Eingriff vorgenommen: Die Hypo- Vereinsbank (HVB) spaltete das Geschäft mit der gewerblichen Immobilienfinanzierung ab und brachte es als eigenes Unternehmen an die Börse. Das Ergebnis war für viele überraschend: Getrennt an der Börse notiert sind die nun schlankere HVB und die Hypo Real Estate Holding, kurz Hypo-Group, deutlich mehr wert als die alte HVB – also ein gutes Geschäft für die Aktionäre.

„Ich bin zuversichtlich für beide Aktien“, hatte HVB-Chef Rampl noch kurz vor der Erstnotiz der Hypo-Group gesagt. Und er sollte Recht behalten. Das neue Hypo-Papier stieg gestern sogar ganz kurz über die Marke von 14 Euro – ein Plus von immerhin fast 25 % gegenüber dem Startkurs in Höhe von 11,25 Euro. Dabei war die Skepsis im Vorfeld groß gewesen: Die Aktie würde sofort unter Abgabedruck geraten, warnten Experten. Viele würden ihre Anteile schnell losschlagen, so die Vermutung. Zudem sei die neue Immobilienbank alles andere als attraktiv, da zu stark auf das schwache Immobiliengeschäft in Deutschland konzentriert und zu wenig im Ausland präsent.

In der Tat ist die Hypo-Group als „hässliches Entlein“ gestartet. Rampl wollte das ungeliebte und risikoreiche Geschäft mit Immobilienfinanzierungen möglichst schnell los werden. Er stand unter Druck: Die Ratingagenturen forderten einen schnellen Kurswechsel, da die Kapitalbasis der HVB gefährlich zusammen geschmolzen war. Da kamen Rampl und sein Vorgänger Albrecht Schmidt auf die Idee, das Geschäft einfach abzuspalten.

Für vier HVB-Aktien erhielten die HVB-Aktionäre ein Papier der neuen Hypo-Group in die Depots, ob sie wollten oder nicht. Die Aktionärskreise der beiden Banken sollten also zunächst identisch sein. Doch die Münchener Rück verkaufte kurz vor dem Börsengang ihre 25 %-Beteiligung über die Investmentbank Goldman Sachs an große institutionelle Investoren aus dem Ausland. Ein Glücksfall für Rampl und Hypo-Group-Chef Georg Funke. Denn offenbar gab es für das Paket mehr Nachfrage als Angebot. Mancher deckte sich nach der Erstnotiz mit Hypo-Aktien ein, der Kurs ging nach oben. Inzwischen sind die Papiere fast ganz in Streubesitz.

Viele Kleinaktionäre blieben dabei offenbar an Bord. Dabei ist die steuerliche Situation ungeklärt. Laut Emissionsprospekt müssen die Hypo-Aktionäre bei Kursgewinnen Spekulationssteuer entrichten. Ab Erstnotiz der Hypo-Aktie gelte die zwölfmonatige Spekulationsfrist von vorne, heißt es. Der Beginn der Frist ist dabei unabhängig davon, wann die „alten“ HVB-Aktien gekauft wurden.

„Das ist steuerrechtlich nicht haltbar“, erregte sich Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Es habe gar keinen „Kauf“ im engeren Sinne gegeben, so die Argumentation. Die neuen Papiere seien vielmehr zugeteilt worden. Es gebe deshalb keinen Grund, den Vorgang mit Steuern zu belasten, sagt Hocker.

Wie auch immer dieser Streit ausgeht, ein Großteil der Analysten setzt auf die neue Aktie. Morgan Stanley empfiehlt „Übergewichten“ und gibt ein Kursziel von 17,70 Euro aus. „Eine klare internationale Strategie“ loben die Experten von Metzler. Und Oppenheim urteilt: „Outperform“. Daneben gibt es zwar auch kritische Stimmen, etwa von der WestLB und der Bankgesellschaft Berlin. Aber derzeit wird die neue Bank an der Börse mit nur 1,8 Mrd. Euro bewertet, das Eigenkapital liegt dagegen bei gut vier Mrd. Euro. Und die HVB hat sich verpflichtet, Verluste in Höhe von 590 Mill. Euro bis 2004 zu übernehmen. Weitere Impulse könnten im nächsten März kommen. Dann entscheidet womöglich die Deutsche Börse, ob das Hypo-Papier den Aufstieg in den MDax schafft.

Chefarzt Rampl kann jetzt noch hoffen, dass auch der Patient HVB selbst schnell wieder gesund wird.

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