Die SEC nimmt Hedge-Fonds an die Kandare
Vorbild Deutschland

Wehe, wenn sie losgelassen. Bullen und Bären sind seit vielen Jahren für ihre oftmals Unheil bringende Wirkung an den internationalen Finanzmärkten bestens bekannt.

FRANKFURT/M. Dabei sind es nicht zuletzt die Strategien von Hedge-Fonds, die in den vergangenen Jahren die Volatilität und damit das Kursrisiko an den Börsen rund um dem Globus erhöht haben, zumindest zeitweise. Die in Hedge-Fonds tätigen Bullen und Bären – Profis, die gegen den Trend auf steigende bzw. sinkende Kurse setzen – sollen jetzt jedoch eingefangen und gezähmt werden. Dies jedenfalls ist das Ansinnen der US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC).

Die Behörde hat sich nach intensiver Diskussion entschlossen, die Reißleine zu ziehen. Sie will den bislang auf dem amerikanischen Markt weitgehend unbeaufsichtigten Kapitalsammelstellen durch eine striktere Regulierung ein engeres Korsett bei der Umsetzung ihrer Anlagestrategie anlegen. Wenn sich die SEC mit ihren Vorstellungen durchsetzt, werden die einzelnen Hedge- Fonds künftig nicht mehr länger im Verborgenen blühen können, sondern eine wesentlich größere Transparenz bieten müssen.

Nach zahlreichen kontroversen internen Diskussionen hat sich die SEC vor allem deshalb für eine Registrierung der verantwortlichen Hedge-Fonds-Manager bei der Behörde entschieden, weil die einst vor allem institutionellen und reichen privaten Investoren vorbehaltenen Kapitalpools ihr Geschäft inzwischen viel stärker auch auf den Massenmarkt – also den Kleinanleger – ausgerichtet haben. Nachdem in der Vergangenheit einige Hedge-Fonds an den Finanzmärkten in Wildwest-Manier vorgegangen waren und dabei hohe Verluste eingehandelt hatten, sah die SEC Anlass, sich selbst als Kontrollorgan stärker ins Spiel zu bringen. In diesem Kontext wird an den globalen Finanzmärkten immer wieder an den Zusammenbruch des von bekannten Nobelpreisträgern beratenen Hedge-Fonds LTCM erinnert.

SEC-Chairman William Davidson, der im fünfköpfigen Entscheidungsgremium bei den Beschlüssen zwei weitere Mitglieder hinter sich bringen konnte, will die von den weltweit existierenden etwa 6 000 Hedge-Fonds ausgehenden Risiken nicht länger ignorieren. Davidson wird sich einerseits mit der Kritik der fortschrittlichen Kräfte im US-Finanzwesen auseinander setzen müssen. Er kann sich andererseits jedoch des Applauses der traditionellen Investmentfonds und der Anlegerschützer sicher sein.

Aus deutscher Sicht kommt die Initiative der Finanzaufseher in den USA nicht überraschend. Die hiesigen Aufsichtsbehörden sehen sich hierdurch in ihrer Arbeit bestätigt. Denn mit dem Investmentmodernisierungsgesetz, das auch das rechtliche Spektrum der Hedge-Fonds in Deutschland abdeckt, wurde hier zu Lande bereits Anfang dieses Jahres die Grundlage für einen besseren Anlegerschutz geschaffen.

Für Sven Zeller von Clifford Chance ist das neue deutsche Investmentmodernisierungsgesetz das weltweit liberalste Regelwerk überhaupt. Es mache derzeit sehr viel Spaß, am sich überraschend fortschrittlich präsentierenden Finanzplatz Deutschland etwas aufzubauen, sagt Zeller lobend in Richtung des Bundesfinanzministeriums in Berlin.

Nun darf bei all diesen Lobeshymnen nicht vergessen werden, dass die geplante Regulierung in den USA im Gegensatz zu Deutschland nicht vom Nullpunkt aus startet. Denn die SEC hat bereits seit vielen Jahren gewisse Erfahrungen mit den Aktivitäten von Hedge-Fonds. So zum Beispiel dort, wo sich diese Kapitalsammelstellen derivativer Instrumente zu Spekulations- und Sicherungszwecken bedient haben. In den vergangenen fünf Jahren wurde die Behörde bereits bei mehr als 85 Hedge-Fonds aktiv, bei denen Unregelmäßigkeiten festgestellt worden waren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%