Die Spiele entfachen ein Kursfeuerwerk an der griechischen Börse – Ein Einstieg ist nur für Langfrist-Anleger interessant
Olympische Rekorde in Athen

Aus der Traum. Katzenjammer in Leipzig – die Olympischen Spiele bleiben jetzt doch den Metropolen dieser Welt vorbehalten. Und das tut gleich doppelt weh: Schließlich bringen die Spiele nicht nur neue Arbeitsplätze und neue Straßen, sondern auch bares Geld.

DÜSSELDORF. So geschehen in Athen, wo die Olympischen Spiele 2004 stattfinden. Der Leitindex der griechischen Börse ASE stieg allein im April um 6,2 Prozent und damit stärker als die Kursbarometer im übrigen Europa. Seit Jahresbeginn liegt der ASE trotz der zuletzt wieder stärkeren Turbulenzen an den Weltbörsen mit acht Prozent im Plus. Und in den vergangenen zwölf Monaten gewannen griechische Aktien im Schnitt über 40 Prozent – nur an der Börse Wien haben Anleger in diesem Zeitraum an europäischen Handelsplätzen mit Aktien mehr Geld verdienen können.

Vor allem die Erwartungen, dass die nahenden Spiele Investitionen und privaten Konsum ankurbeln würden, trieben die Kurse in die Höhe. Das Umfeld ist in der Tat günstig: Stimuliert durch die Olympischen Spiele – insgesamt wurden für das Sportspektakel fast acht Milliarden Euro zusätzlich in den Wirtschaftskreislauf gepumpt – wird die griechische Wirtschaft 2004 laut Ifo-Institut um 4,25 Prozent wachsen. „Der entscheidende Schub kommt neuerlich von den mit der Olympiade mittel- oder unmittelbar in Zusammenhang stehenden Investitionen“, heißt es in einer Ifo-Studie. Da viele Bauprojekte in Verzug seien, hätten die Bauinvestitionen in der ersten Jahreshälfte stark angezogen. Kein Wunder, dass sich das auch auf die Gewinne der Unternehmen niederschlägt: Neben den Baufirmen verdienen vor allem Banken und Telekommunikationsunternehmen prächtig am Olympiaboom.

Dabei sein ist alles – das olympische Motto gilt für Anleger, die ihr Geld in Griechenland investieren wollen, indes nur, wenn sie längerfristig dabei bleiben wollen. Die Börse Athen ist ein wenig heiß gelaufen, noch bevor das olympische Feuer flammt. Der ASE hat es nicht geschafft, die psychologisch wichtige Marke von 2 500 Punkten nachhaltig zu knacken. Und nach den Spielen wird sich das Wirtschaftswachstum in Griechenland nach Einschätzung von Konjunktur-Experten auch erstmal wieder abschwächen. Im kommenden Jahr werde die griechische Wirtschaft wohl nur noch um drei Prozent wachsen, prognostiziert das Ifo-Institut in seiner Studie. Damit würde das griechische Bruttoinlandsprodukt 2005 so langsam wachsen wie seit Jahren nicht mehr.

Nach den Olympischen Spielen ist laut Ifo zudem mit lebhaften Preissteigerungen zu rechnen. „Denn die Preise für Mineralölprodukte erhöhen sich nach dem jüngsten Ölpreisanstieg auch in Griechenland deutlich. Die steigenden Lohnkosten können wegen der lebhaften Konjunktur leicht über die Preise weitergegeben werden und auch die Olympiade selbst wirkt über die Zeit der Veranstaltung hinaus Preis treibend.“

Langfristig rechnen Analysten dennoch mit weiter steigenden Kursen, schließlich ist ein prognostiziertes Wirtschaftswachstum von über drei Prozent in den nächsten Jahren ein Umfeld, das es den Unternehmen erlaubt, im europäischen Vergleich überproportional zu verdienen. Zudem hat die neue Regierung versprochen, über Steuervereinfachungen und den Verkauf ihrer Staatsbeteiligungen auch nach den Spielen Investoren nach Athen zu locken. Und letztlich fließen noch bis 2008 jedes Jahr 7,5 Milliarden Euro – immerhin rund sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes – aus den EU-Strukturtöpfen nach Griechenland. Ein Großteil davon wird für Infrastruktur ausgegeben. Und davon profitieren erneut die Bauaktien.

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