Die Wirkung noch höherer Notierungen wird überschätzt
Der Ölpreis-Faktor

Der Schock hätte kaum größer sein können. Noch vor geraumer Zeit prophezeiten Ökonomen und Analysten eine Rückkehr des Ölpreises von 40 Dollar auf unter 30 Dollar je Barrel.

FRANKFURT. Die Fachleute orientierten sich bei diesen Weissagungen weniger an politischen und wirtschaftlichen Fundamentaldaten, als vielmehr an Erfahrungen aus der Vergangenheit. Schließlich war der Ölpreis nach zwischenzeitlichen Preissprüngen während zahlreicher Konjunkturzyklen stets wieder zurückgefallen. Dies, so argumentierten Experten, könne auch im laufenden Zyklus als wahrscheinlich angenommen werden.

Bekanntlich sieht die Wahrheit anders aus. Der für die Weltwirtschaft wichtigste Rohstoff strebt auf die Marke von 50 Dollar je Barrel zu. Es ist nicht so sehr diese Tatsache, die den erstaunten Auguren einen Schock versetzt. Vielmehr stört die Erkenntnis, dass deren professionelle Fehleinschätzung der Lage an den Rohstoff- und speziell den Energiemärkten letztlich zu einem Fehlverhalten in der Wirtschaft führte. Zum einen wurde von den Finanzmärkten nicht mehr genügend Risikokapital für die Suche und Exploration nach neuen Energievorkommen zur Verfügung gestellt. Zum anderen unterblieben notwendige Investitionen in die Infrastruktur der Rohstoffmärkte.

Heute sind die Auswirkungen dieser Misswirtschaft zum einen an schwächeren globalen Wachstumsraten und zum anderen an einer Flaute der Aktienbörsen erkennbar. Wie wichtig die Faktoren Rohöl und Energie für die Weltwirtschaft sind, verdeutlicht folgende Erkenntnis: Das Bruttosozialprodukt der Weltwirtschaft wird in diesem Jahr 0,5 Prozent und im Jahr 2006 dann 1,0 Prozent niedriger ausfallen, wenn der Rohölpreis auf dem aktuellen Niveau von 45 Dollar je Barrel verharrt. Das jedenfalls prognostiziert George Magnus von der Investmentbank UBS. Jeder Anleger kann sich ausrechnen, was dies gerade für wachstumsschwache Regionen wie Europa bedeutet.

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