Dramatik der vergangenen Jahre ist vorbei
Ericsson: Hohe Maßstäbe gesetzt

Wie Phönix aus der Asche ist der schwedische Telekomausrüster Ericsson aufgestiegen: Die Aktie des größten Mobilfunknetz-Herstellers legte allein seit Jahresanfang 23 Prozent zu.

Wer während der schweren Krise des Konzerns Optimist blieb und im Oktober 2002 Ericsson-Aktien kaufte, kann sich heute sogar über ein Plus von rund 570 Prozent freuen.

Doch wie soll es weitergehen? Im dritten Quartal dieses Jahres stieg der Vorsteuergewinn von Ericsson von 6,4 Mrd. Kronen im Vorjahr auf acht Mrd. Kronen (843,5 Mill. Euro) an. Ein gutes Ergebnis, da waren sich alle Experten einig. Nur: Dieser Gewinn ist bereits im Kurs von knapp 26 Kronen berücksichtigt. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 kann man sich leicht ausrechnen, welche enormen Gewinnsteigerungen Ericsson künftig präsentieren müsste, damit die Aktie ihren Höhenflug fortsetzen kann.

Ericsson hat in Sachen Sanierung Maßstäbe gesetzt. Die Mitarbeiterzahl wurde in den vergangenen drei Jahren nahezu halbiert, und die Gewinne sprudeln wieder. Das Unternehmen verfügt über eine Kasse von über 41 Mrd. Kronen (4,3 Mrd. Euro). Das weckt Begehrlichkeiten. Die Aktionäre hoffen auf eine Sonderdividende, und den Investmentbankern glänzen die Augen. Schließlich könnte das Management die Gunst der Stunde nutzen und auf Einkaufstour gehen.

Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg bestätigte bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal, dass kleinere Zukäufe geplant seien. Die Übernahme des angeschlagenen britischen Telekomausrüsters Marconi, über die seit Wochen wild spekuliert wird, wäre jedoch keine kleine Akquisition, sondern ein dicker Brocken von fast 1,9 Mrd. Euro. Dabei würde allenfalls eine Übernahme einzelner Marconi-Teile wie etwa der Festnetzsparte für Ericsson Sinn machen.

Unverkennbar ist jedoch, dass die Dramatik der vergangenen Jahre vorbei ist. Wer bei Ericsson Aktionär ist, muss sich wieder auf normale Zeiten einstellen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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