DVD frei Haus
Konventionelle Filmvermieter in der Krise

PORTLAND. Die Nachrichten von der DVD-Front sind schlecht. Nach anfänglichem Boom ist das digitale Speichermedium, das gestochen scharfe Bildqualität und Kinosound ins Wohnzimmer liefert, nun doch nicht die Rettung für eine ganze Branche. Kinos klagen, dass die Besucherzahlen von früher nicht mehr erreicht werden, weil der Zeitraum zwischen Kinopremiere und DVD-Veröffentlichung immer kürzer wird. Die Rechnung der Filmstudios, die Kosten für teure Produktionen über massenhafte DVD-Verkäufe wieder herein zu holen, geht immer weniger auf. Filmvermieter wie Blockbuster klagen, dass die Flut von neuen Titeln nicht nur ihre Regale, sondern auch ihre Kunden überfordert. Blockbuster Inc., Dallas, der größte US-Filmvermieter, meldete jetzt für das zweite Quartal bei rückläufigem Umsatz von 1,4 Mrd. Dollar einen Verlust von 57,2 Mill. Dollar, deutlich höher als erwartet.

Netflix, Los Gatos, Blockbusters Erzrivale, kann dagegen nicht klagen. Der Pionier für Filmvermietung im Internet überraschte für das zweite Quartal mit einem Reingewinn von 5,7 Mill. Dollar, der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent auf 164,5 Mill. Dollar. Netflix bietet bislang nur in den USA einen Abo-Service für Spielfilme und Fernsehproduktionen in drei Preisstufen an. Für Monatsgebühren zwischen 9,99 und 17,99 können Kunden ein, zwei oder drei Titel gleichzeitig ordern. Die DVDs kommen am nächsten Tag per Post mit einem Freiumschlag für den Rückversand. Die Netflix-Seite, auf der Kunden ihre persönliche Titelwahl zusammenstellen, bietet zu jedem Titel Inhaltsangabe, Kritikermeinungen und Kundenstimmen. Man kann die DVD so lange behalten, wie man will. Eine neue Scheibe kommt erst, wenn man eine alte zurück gesendet hat.

Das Geschäftsmodell der 1997 von Reed Hastings gegründeten Netflix nimmt Kunden den Weg zum nächsten Filmvermieter ab und befreit sie von Strafgebühren für verspätete Rückgabe. Blockbuster unterhält mehr als 9 100 Verleih-Filialen mit über 48 000 Beschäftigten, Netflix hat 35 Verteilungszentren und 940 Angestellte. Während sich die Verleihfilialen wegen des begrenzten Platzes auf Bestseller konzentrieren, führt Netflix in seinem riesigen Angebot auch kleinere und obskure Filme. Das Unternehmen hat mittlerweile über drei Millionen Abonnenten und hofft, bis Ende des Jahres vier Millionen zu erreichen.

Nach dem jüngsten Quartalsgewinn zog der Netflix-Kurs stark an, nachdem er seit seinem Höhepunkt Anfang 2004 von 40 auf unter neun Dollar gefallen war. Mittlerweile hat er sich von seinem Tiefpunkt in diesem Jahr auf über 21 Dollar wieder fast verdreifacht. Die Meinungen, ob zu Recht, gehen auseinander.

Einige Analysten sagen, der Konkurrenzkampf mit Blockbuster, den Internet-Riesen Yahoo und möglicherweise Amazon sowie Nachahmern wie Reel.com werde sich verschärfen. Blockbuster schaffte bereits die Verspätungsstrafe ab und startete einen eigenen Aboservice. „Der Riese ist verwundet und wehrt sich“, sagt Analyst Michael Pachter von Wedbush Morgan in Los Angeles. Er hat ein Kursziel von 6,50 Dollar und empfiehlt, Netflix zu verkaufen. Andere rechnen, dass das Herunterladen von Filmen aus dem Internet dem Postversand von DVD ebenso schaden werden, wie Songs aus dem Internet dem CD-Verkauf.

Auf der anderen Seite will Blockbuster auf Druck aus dem eigenen Aufsichtsrat die bisher günstigeren Abo-Preise auf Netflix-Niveau anheben und der Einzelhandelsgigant Wal-Mart gab seinen Abstecher in die DVD-Vermietung auf und seine Kunden an Netflix ab. In Umfragen geben Internet-Nutzer Netflix die besten Noten für Kundenservice und Firmenchef Hastings, der vor Netflix eine erfolgreiche Softwarefirma aufbaute, gibt sich gelassen: „Wir haben die größte Auswahl und die meiste Erfahrung“. Wenn Filme legal aus dem Internet kopiert werden können, will Netflix dabei sein. Noch in diesem Jahr will die Firma einen entsprechenden Dienst aus der Taufe heben.

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