Edelmetall-Bullen finden neues Kaufargument
Öl treibt Goldpreis

Mit dem Ölpreis steigt auch der Goldpreis. Beide sind relativ eng aneinander gekoppelt. Und da der Ölpreis in den Himmel schießt gilt das Gleiche für den Goldpreis. Natürlich ist diese Entwicklung einigen Analysten nicht verborgen geblieben.

FRANKFURT/M. An den Tankstellen machen die Autofahrer ihrem Ärger Luft. Aber was hilft es. Die Ölpreise schießen in den Himmel, und der Benzinpreis folgt. Die Weitsichtigen sichern sich ab. Sie kaufen beispielsweise Zertifikate auf den Ölpreis, Aktien von Energieproduzenten oder die in diese Werte investierenden Investmentfonds.

Mutige gehen jetzt andere Wege. Sie blicken auf die enge Verbindung von Öl- und Goldpreis. Beide sind relativ eng aneinander gekoppelt. Im langfristigen Durchschnitt war eine Unze (etwa 31 Gramm) Gold rund 15-mal so teuer wie ein Barrel (159 Liter) Öl. In den vergangenen vier Jahrzehnten rutschte diese Relation fünf Mal auf Tiefstwerte zwischen acht und zehn ab. Anschließend schnellte der Quotient aber stets in kurzer Zeit wieder auf den Durchschnittswert nach oben und normalisierte das Geschehen.

Die aktuelle Situation bildet den sechsten „Ausrutscher“ in dieser Statistik – und in seiner Größenordnung ein Novum. Bei einem Ölpreis von gestern etwa 65 Dollar und Goldkursen bei rund 445 Dollar lautet das Ergebnis: Gold ist heute siebenmal so teuer wie der Energieträger. Wenn die in der Vergangenheit bewährte Verbindung weiterhin gültig bleibt, ist Gold entweder viel zu billig oder Öl viel zu teuer. „Das Verhältnis ist völlig aus den Fugen – irgendetwas muss sich bewegen“, urteilte Paul Walker, Chef der Londoner Edelmetall-Researchhauses GFMS. Auf einer Investorenkonferenz in Südafrika prognostizierte er vor wenigen Tagen: „Der Goldpreis kann in den kommenden sechs Monaten bis auf 500 Dollar steigen.“

Die Prognose erscheint konservativ, wenn man sich auf die bisher geltende Relation stützt. Trotz enthusiastischer Vorhersagen einiger Ölexperten, die das Barrel bereits bei 100 Dollar sehen, erwarten die meisten Analysten eine Preisberuhigung. Sie haben ihre Prognosen in den vergangenen Wochen zwar auch nach oben angepasst. In der Regel erwarten die Fachleute in den kommenden zwei Jahren allerdings Preise zwischen 50 und 55 Dollar, die damit aber immer noch deutlich unter den aktuellen Werten liegen.

Sollten sich die Einschätzungen bewahrheiten, müsste der Edelmetallpreis kräftig Fahrt aufnehmen. Selbst bei einem Ölpreisrückgang auf 50 Dollar würde die Normalisierung der beschriebenen Relation auf den Durchschnittswert von 15 einem Goldpreisanstieg auf 750 Dollar entsprechen.

Die Entwicklung des Öl-Gold-Verhältnisses ist einigen Analysten nicht verborgen geblieben. Zu dieser Gruppe gehört der hier zu Lande weniger bekannte – aber in der Vergangenheit häufig treffsichere – Doug Casey, Chef der US-Researchfirma Casey Research. Er sieht den Goldpreis bereits am Jahresende bei 500 Dollar. „Aber das ist erst der Anfang. Das Edelmetall wird durch die Decke schießen, und das früher, als die meisten Experten es erwarten“, sagt der meinungsfreudige Fachmann.

Casey und einige andere Optimisten werfen nicht nur den beschriebenen Preisquotienten in die Waagschale. Sie setzen auch auf möglicherweise sinkende Produktion bei erwarteter steigender Nachfrage. Derzeit sind Anleger in Edelmetallen unterinvestiert. Depotquoten von fünf bis zehn Prozent, wie vor einigen Jahrzehnten üblich, gelten heute als anachronistisch. Die Investoren könnten das Metall aber schnell wiederentdecken, beispielsweise bei weiter fallenden Dollar-kursen, bei steigender Inflation oder Zuspitzungen der geopolitischen Lage. In den vergangenen Tagen reichte es schon für ein Preisplus von 15 Dollar.

Wer diesen mutigen Ideen folgt, wird nicht nur den Geldbeutel entlasten, wenn das Tanken an den Zapfsäulen teuer bleibt oder noch teurer wird. Es bleibt über den Absicherungseffekt hinaus vielleicht sogar ein Gewinn übrig. Vorausgesetzt, die magische „15“ hält, was sie in der Vergangenheit versprochen hat und der Ölpreis stürzt nicht ins Bodenlose. Aber wer glaubt schon an einen Kollaps des Ölpreises ...

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