Edelmetall rückt verstärkt in den Fokus der Anleger
Eine Chance für Gold

Die Edelmetalle Gold und Silber haben sich bei den Anlegern mit kräftigen Preissteigerungen in Erinnerung gebracht. Gold stieg innerhalb nur kurzer Zeit von 342 auf über 360 $ je Feinunze. Silber stellte Gold sogar in den Schatten. Der Preis des weißen Edelmetalls ist in rund zwei Wochen von 4,50 auf 5,05 $ je Feinunze gestiegen. Das ist der höchste Stand seit Juni 2002.

FRANKFURT/M. Für aufmerksame Marktbeobachter kommt dieser Aufschwung nicht überraschend. Zum einen fiel zuletzt auf, dass die Aktien von Gold- und Silberproduzenten den Preisaufschwung der Rohstoffe durch Kurssteigerungen bereits ankündigten. Der Gold/Silber-Aktienindex der Philadelphia Stock Exchange ist bei steigenden Umsätzen seit Mitte Juli von 73 auf rund 82 Punkte in die Höhe geschossen.

Und zum anderen prophezeien einige Gold-Fanatiker den Edelmetallen nicht zuletzt wegen der an den Welt-Finanzmärkten vorhandenen üppigen Liquidität seit längerem eh eine glänzende Zukunft. Doch der Optimismus der Gold-Fans steht ganz im Gegensatz zur Meinung von Finanzmarkt-Analysten auf Seiten der Banken. Eine Umfrage bei führenden Analysten internationaler Finanzhäuser macht dies deutlich. Deren durchschnittliche Goldpreisprognose liegt für 2003 bei 349 $ und für 2004 bei 352 $ je Feinunze.

Dass die Edelmetalle – allen voran Gold – als eigene Anlageklasse für Banken inzwischen an Bedeutung gewonnen hat, ist daraus zu erkennen, dass sich die Institute inzwischen stärker mit Kapitalanlagen in Rohstoffen beschäftigen. So gibt es auch auf Bankenseite inzwischen mehr Gold-Optimisten. „Wir sehen für die Jahre 2003 und 2004 einen durchschnittlichen Goldpreis von 353 $ bzw. 356 $ je Feinunze“, sagt John Reade von der Investmentbank UBS in London. Michael Durose von Morgan Stanley sieht derzeit jedoch keinen aktuellen Katalysator für eine neue Golopreis-Hausse: „Kurzfristig wird Gold in einer Spanne zwischen 350 und 375 $ je Feinunze schwanken“, prognostiziert er.

Etwas anders schätzt Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus & Burkhardt die Lage. Schilbe zählt unter den Analysten der Banken zu den „Gold-Bullen“. Auf Sicht von 12 Monaten werde der Goldpreis über die Marke von 400 $ steigen, sagt er. „Bevor der Preis dann in höhere Regionen vorstoßen kann, ist zunächst der charttechnische Widerstand bei 410 $ je Feinunze zu knacken“, sieht Schilbe für Gold alles in allem glänzende Perspektiven.

Welche Einflussfaktoren werden den Goldpreis längerfristig bestimmen? Vieles spricht dafür, dass die freien Marktkräfte spätestens dann stark auf Gold einwirken werden, wenn die Notenbanken ihre noch immer recht hohen Goldbestände veräußert haben. Als wichtigster Bestimmungsfaktor wird dann das seit Jahren existierende Angebotsdefizit wirken. Hierzu muss der Anleger wissen, dass das Goldangebot aus Primärquellen – also die Produktion der Goldminen – seit vielen Jahren unter der Nachfrage liegt. Diese Fehlmengen wurden in der Vergangenheit vor allem durch die Verkäufe der bei den internationalen Notenbanken lagernden Goldbestände abgedeckt. Alex Davidson, der für Explorationen beim Goldriesen Barrick zuständig ist, nannte die Dinge vor einigen Wochen beim Namen: Die Goldminenindustrie habe in der Vergangenheit so wenig in die Suche und Exploration nach Gold investiert, dass die vorhandenen Reserven bereits in zehn Jahren aus dem Boden geholt sein dürften.

Für Gold spricht auch, dass das Edelmetall vor allem in einigen Emerging Markets als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel gefragt ist. Gerade in Ländern mit fragilen Bankensystemen hat Geld als Wertaufbewahrungsmittel an Bedeutung verloren, so dass Anleger dort ihre Ersparnisse verstärkt in Gold investieren. Auch in den westlichen Industrieländern scheint mit dem Platzen einiger Finanzblasen das Vertrauen in Geld als Mittelpunkt der Finanzsysteme nachzulassen. Eine Chance für Gold.

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