Edelmetalle
Silber überholt Gold

Die Silber-Bullen jubeln, denn der Preis des Edelmetalls schnellt nach oben. Er erreichte gestern mit rund 11,50 Dollar je Unze (etwa 31 Gramm) den höchsten Stand seit 23 Jahren. Gold-Spekulanten können da nur neidisch zusehen. Denn während das gelbe Metall, das gestern ein 25-Jahreshoch erreichte, im laufenden Monat nur zwei Prozent gewann, legte Silber 17 Prozent zu.

FRANKFURT. Hintergrund des Aufschwungs ist die Hoffnung auf die baldige Börsennotierung eines Silberfonds an der American Stock Exchange. Das Produkt dürfte nicht nur neue Anleger locken. Laut Experten wird die Anfangsdeckung des Silberfonds durch physisches Metall dem Markt 16 Prozent der jährlichen Minenproduktion entziehen – das schafft zusätzliche Phantasie. Auch andere Handelsplätze werden von der Euphorie erfasst. Fast unbemerkt listete die Londoner Börse ebenfalls einen Silberfonds. Die für den Edelmetallsektor wichtige Rohstoffbörse in Dubai startete am Dienstag einen Silber-Terminkontrakt.

Optimisten erwarten jetzt den Durchbruch für das Metall und eine anhaltende Abkopplung vom Goldpreis. Silber ist schon seit Jahren knapp. Nun drängt es auch von der Nachfrageseite. Silber ist nicht irgendein Metall. Es ist dehnbar und leitfähig wie kein anderes, hat eine hohe Lichtempfindlichkeit und tötet Bakterien.

Hier ist viel in der Pipeline. Die koreanische Firma Samsung Electronics stellte soeben eine Waschmaschine vor, die mit kaltem Wasser dank Silberzusatz Bakterien vernichtet. Im zweiten Halbjahr will Bio-Gate an die Frankfurter Börse gehen. Die Firma stattet Materialien durch kleinstteiliges Silber mit einer Langzeitwirkung gegen Bakterien, Pilze und andere Krankheitserreger aus. Wissenschaftler arbeiten fieberhaft an weiteren medizinischen Anwendungsmöglichkeiten, etwa beim Kampf gegen Aids.

Angetrieben vom rasanten Wertgewinn – der Silberpreis lag vor einem Jahr bei rund sieben Dollar – rücken unabhängige Silber-Analysten ins Rampenlicht – vor allem in den USA. Namen wie Ted Butler oder David Morgan sind Fachleuten bereits ein Begriff. Kenner wundern sich kaum über das wachsende Interesse an diesen Experten, denn die großen Researchhäuser verfügen kaum noch über Know-how: Zwei Dekaden Baisse der Rohstoffpreise während der achtziger und neunziger Jahre haben ihre Spuren hinterlassen.

An explosiven Preisschätzungen ist derzeit kein Mangel. Manche Analysten scheuen sogar vor dreistelligen Prognosen nicht zurück. Credit Suisse ist in seiner jüngsten Einschätzung bescheidener und erwartet mittelfristig Preise um 15 Dollar. In jedem Fall betreten Anleger gefährliches Gelände. Silber ist bekannt für seine unerwarteten und heftigen Preissprünge, auch nach unten – denn der Markt ist weit enger als der bereits kleine Goldmarkt. Zwischenzeitliche Rückschläge um einen oder zwei Dollar wären daher keine Überraschung.

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