Ehrgeizige Expansionspläne
Vossloh – eine Perle im MDax

Der Mittelständler Vossloh bietet Stoff für eine Erfolgsstory.

DÜSSELDORF. Der große Auftritt liegt Burkhard Schuchmann nicht, er steht eher für Bodenhaftung denn für Bugwelle. Dabei hätte der Vorstandsvorsitzende der Vossloh AG allen Grund, sich mehr ins Rampenlicht zu stellen. Im Halbjahres-Rhythmus verkündet er ansehnliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen.

So geschehen in der letzten Woche: Im ersten Halbjahr wuchs der Umsatz bei dem mittelständischen Verkehrstechnik-Konzern mit Sitz im sauerländischen Werdohl gegenüber dem Vorjahres-Zeitraum um 21 % auf knapp 370 Mill. Euro. Das entspricht, so Schuchmann in einem Nebensatz, dem gesamten Jahresumsatz von 1986.

Die Analysten waren beeindruckt. Einmal mehr hatte der so unscheinbar wirkende Konzern die ohnehin positiven Erwartungen übertroffen. Dies umso mehr, als Schuchmann für das Gesamtjahr ankündigte, man werde bei Umsatz und Gewinn abermals die „Zielmarken überspringen“. Das Ergebnis pro Aktie liegt derzeit bei 2,24 Euro. Und das soll, so Schuchmann, auch in den kommenden Jahren so bleiben. Vor einem Jahr waren es 96 Cent gewesen. Vor diesem Hintergrund ist der Kursverlauf des MDax-Wertes zu sehen. Seit dem Tief Anfang 2001 geht es aufwärts.

Die Erfolgsstory ist von Tugenden wie Beharrlichkeit und Augenmaß, aber auch Phantasie und Zielstrebigkeit bestimmt. Seit letztem Jahr konzentriert sich der Konzern nach diversifizierenden Ausflügen in andere Branchen auf sein ursprüngliches Stammgeschäft – die Verkehrstechnik. Basis dafür ist der bei „Vossloh neu“ neudeutsch als „Rail Infrastructure“ bezeichnete Geschäftsbereich. Seit über 100 Jahren liefert das Unternehmen Schienenbefestigungen, ist heute Marktführer mit Kunden in 65 Ländern. „Wir sind nicht von einzelnen Märkten und Kunden abhängig“, betont Schuchmann. Irgendwo rund um den Globus fließt immer wieder Steuergeld in Verkehrsinfrastruktur-Projekte.

Um die Schienenbefestigung herum besetzt der Konzern, der weltweit 4000 Mitarbeiter in 25 Tochtergesellschaften beschäftigt, immer stärker viel versprechende Nischen in der Verkehrstechnik. Gewachsen ist das Unternehmen dabei über gezielte Zukäufe. So übernahm Vossloh im letzten Jahr den französischen Weichen-Spezialisten Cogifer, der TGV-Strecken mit Hochgeschwindigkeitsweichen ausstattet.

Außerdem erwarb der Konzern die Kiepe Elektrik in Düsseldorf. Für Vorstandschef Schuchmann ein klarer Fall seiner Spezialmarkt-Strategie: Kiepe ist Experte nicht nur für Bahn-Elektrik, sondern auch für Trolleybusse. Sie sind umweltfreundlich wie Straßen- oder Stadtbahnen, erfordern weniger Investitionsvolumen, weil sie auf der Straße fahren. Immer mehr Metropolen kehren zu dem schon fast vergessenen Verkehrsmittel zurück – auch die Olympia-Stadt Athen, für die Kiepe 142 Obusse ausrüsten wird.

Kein Kleiner mehr ist Vossloh bei der Diesellok-Herstellung: 140 Maschinen sollen dieses Jahr in Kiel gebaut werden – damit ist das Unternehmen Europas Marktführer. Gleichwohl denkt Schuchmann gar nicht daran, sich mit den großen Bahntechnik-Produzenten Bombardier, Alstom und Siemens in einem Atemzug zu nennen. Partnerschaft statt Konfrontation ist seine Devise.

Gleichwohl sind die Expansionspläne ehrgeizig. Schon 2004 könnte der Umsatz durch Zukäufe in Europa auf zwei Milliarden Euro mehr als verdoppelt werden. In Analysten-Kreisen wird das mit Wohlwollen gesehen, wenn denn die Finanzierung stimmt. Die exzellente Marktkenntnis der Vossloh- Gruppe vermindere jedenfalls das Risiko großer Fehlgriffe.

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