Bulle + Bär
Elf Stunden M-Dax für Fielmann

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, weil sie am vergangenen Mittwoch, als die Meldung um 18.42 Uhr über den Ticker kam, bereits auf dem Nachhauseweg waren und den Freitag nach Fronleichnam als Brückentag nutzten: Fielmann gehört ab heute nicht dem M-Dax an, sondern bleibt weiterhin im S-Dax gelistet.

Noch am Mittwochmorgen um 7.45 Uhr hatte die Deutsche Börse exakt das Gegenteil vermeldet. Nur knapp elf Stunden durfte sich Fielmann allerdings Hoffnungen auf die Rückkehr in den M-Dax machen, dem die Optiker-Kette von 1995 bis März dieses Jahres angehörte.

Nichts passiert, möchte man nun auf den ersten Blick meinen, doch so einfach ist die Sache nun auch wieder nicht. Den Schaden dieser Kehrtwende hat schließlich vor allem die Deutsche Börse. Denn inzwischen will sich sogar die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Sache „mal ansehen“, wie es auf Anfrage hieß. Ob es anschließend zu einer Überprüfung wegen des Verbots der Kurs- und Marktmanipulation kommt, ist wohl erst Ende dieser Woche absehbar, hieß es. Tatsache ist, dass sich der Aktienkurs von Fielmann am Mittwoch zuerst 4 % in die Höhe bewegte, wovon allerdings nur 1,2 % übrig blieben, als es dann mit der M-Dax-Aufnahme doch nichts wurde.

Knackpunkt in dem ganzen Hin und Her ist, dass sich die Deutsche Börse am vergangenen Mittwoch zuerst auf Informationen gestützt hat, die – wohlwollend ausgedrückt – nicht mehr ganz aktuell waren. Konkret geht es dabei um den Stand der Übernahmeverhandlungen von Buderus durch Bosch. Sind die Aktien des hessischen Heizungs-Herstellers zu 95 Prozent in festen Händen, muss der Wert aus einem Index genommen werden, da die Handelbarkeit der Aktie nicht mehr gegeben ist. So will es das Regelwerk der Deutschen Börse.

87,55 Prozent davon hält derzeit die Stuttgarter Bosch AG, 9,8 Prozent liegen in Händen des New Yorker Investment-Hauses Arnhold & S. Bleichroeder Advisers LLC. Wären zusammen 97,3 %. So rechnete auch die Börse und plante das, was sie bereits Mitte Mai beschlossen hatte, in die Tat umzusetzen: Als klar war, dass Bosch wohl Buderus und Procter & Gamble wohl Wella übernehmen wird, bestimmte sie Fielmann als ersten und die Indus Holding als zweiten Nachrücker.

Nun hat die Deutsche Börse aber im Verlauf des Mittwochs „neue Information über den Festbesitz“ erlangt. Welcher Art diese waren und woher sie kamen, darüber gab es auch auf Nachfrage keinerlei Auskunft. Sie könnten von den Bankern, die im Arbeitskreis Aktienindizes vertreten sind, stammen oder von Analysten, hieß es lediglich. Oder von Buderus – wie im Markt zu hören war.

Letztlich muss man weder Prophet noch Rechenkünstler sein, um zu erkennen, dass der Knackpunkt der ganzen Angelegenheit weiterhin im 9,8 %-Anteil von Arnhold and S. Bleichroeder liegt. Die New Yorker wollen diesen wohl verkaufen, haben sie indirekt signalisiert. Bosch hat die Übernahmefrist, wie im Aktiengesetz vorgeschrieben, nun um zwei Wochen bis zum 4. Juli um 24 Uhr verlängert und bietet weiterhin 29,15 Euro je Aktie. Vieles deutet darauf hin, dass es bis dahin zu einer Einigung kommen könnte.

Bei Fielmann kann man sich in der Zwischenzeit entspannt zurücklegen und der Dinge harren, die da kommen. Schließlich ist schon jetzt weitgehend klar, dass die Hamburger spätestens zum nächsten Verkettungstermin in zwei Monaten wieder in den M-Dax aufgenommen werden. Und auch dem Ansehen bei Analysten hat das Elf-Stunden-Intermezzo vom vergangenen Mittwoch nicht geschadet: Von 18 Analysten, die die Aktie covern, empfehlen sie weiterhin 14 zum Kauf.

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