Emerging Market Türkei
Das China Europas

An der Türkei entzünden sich immer wieder aufs Neue heiße Diskussionen der Politiker. Befürworter und Gegner eines EU-Beitritts liefern sich seit geraumer Zeit einen verbalen Schlagabtausch. Einen wirklichen Sieger hat es dabei bislang nicht gegeben. Doch auch die Geister der Kapitalanleger scheiden sich an kaum einem anderen Emerging Market so sehr wie an der Türkei, die vor den Toren der EU auf größere internationale Anerkennung wartet.

FRANKFURT. Während die einen den dort existierenden kulturellen und religiösen Konflikt zwischen morgenländischer Tradition und abendländischer Moderne als Anlass für eine vorsichtige Anlagepolitik in die Waagschale werfen, drücken Optimisten mit klaren Anlageentscheidungen pro Türkei alle Zweifler an die Wand.

Im Gegensatz zur eher unentschiedenen politischen Debatte lässt das durch die Kräfte des Marktes gefällte Urteil indes keine Zweifel zu. Die positive Performance türkischer Finanzwerte liefert den Beweis für die Einschätzung der Anleger: Die Türkei sollte schon bald EU-Mitglied werden. Die Kritiker verstummen jedoch nicht und zweifeln die Nachhaltigkeit des Kursaufschwungs türkischer Finanzwerte an. Und in der Tat ist das Klima in der Finanzwelt als Folge der jüngsten Zinserhöhungen in Europa und den USA rauer geworden. Die zuletzt kaum Grenzen kennende Risikofreude der Investoren leidet unter diesem veränderten monetären Umfeld. Dies könnte zu einer Ausweitung der Risikoprämien für Emerging Markets – inklusive Türkei – führen. Die sich zu Wort meldenden Krisenpropheten werden indes von Optimisten abgekanzelt. Einen Flächenbrand mit einer Krise des Finanzsystems wird es deren Meinung zufolge nicht geben.

So dürften die Aussichten für das Anlageland Türkei gut bleiben. Immer mehr Experten vertreten diese Auffassung. Das populärste Votum für Türkei-Investments kommt jetzt von Paul Wolfowitz. Der Weltbank-Präsident sieht „die Türkei auf sehr stabilem ökonomischen Wege“. Auch jene, die von der privatwirtschaftlichen Seite viel Geld in die Hand nehmen, um in der Türkei zu investieren, lassen sich in ihrer positiven Einstellung nicht wirklich beirren. Marcin Fiejka von Pioneer Investments oder Markus Ross von Ceros Asset Management betrachten Investments in der Türkei weiter als „sehr interessant“. Fiejka verweist dabei auf gute langfristige Wirtschaftsperspektiven des Landes.

Ross sieht die Türkei als „das China Europas“. Die junge und lebenshungrige Bevölkerung, die über eine recht gute Ausbildung verfüge, sei die Basis für eine Fortsetzung des politischen und ökonomischen Aufschwungs. Das politische Risiko sei wegen der für den Westen strategisch wichtigen Rolle des Landes überschaubar, und türkische Aktien seien im globalen Kontext billig, sagt Ross, dessen Fondsgesellschaft bereits seit 1998 in diesen Markt investiert.

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