Ende des Booms
Für US-Banken brechen harte Zeiten an

An der Wall Street war Sandy Weill gestern Tagesgespräch. Offenbar denkt der Aufsichtsratschef der Citigroup noch nicht daran, sich auf sein Altenteil zurückzuziehen, jedenfalls fiel das Dementi des 72-Jährigen zu den immer lauter werdenden Rücktrittsspekulationen deutlich aus.

HB NEW YORK. Die Hintergründe werden die Börsianer und US-Medien in den kommenden Tagen sicher noch weiter beschäftigen. Doch wenn sich der Rauch um die Personalie Weill gelegt hat, werden die Investoren und Analysten wieder das Tagesgeschäft des weltgrößten Finanzkonzerns nach Börsenwert in den Fokus nehmen. Und dort hat der New Yorker Bankriese weitaus ernstere Probleme als die Zukunftspläne des Konzerngründers, der ohnehin im Tagesgeschäft keine aktive Rolle mehr spielt. Experten zufolge geht nämlich nicht nur der Marktführer, sondern die gesamte US-Bankbranche härteren Zeiten entgegen.

Was Analysten dabei vor allem Sorgen macht, ist das so genannte Abflachen der Zinskurve. Gemeint ist damit, dass die Rendite langfristiger US-Anleihen nur noch knapp über dem Zins für kurzfristige Anleihen liegt. Das schadet den Geschäftsbanken, die typischerweise kurzfristig Geld bei der US-Zentralbank (Fed) aufnehmen, um es langfristig an ihre Kunden auszuleihen. Einst forderte die Fed nur ein Prozent Zins für Übernacht-Ausleihungen an Banken und topsolide Unternehmen zahlten bis zu sechs Prozent für 30-jährige Kredite. Inzwischen ist die Zinsdifferenz jedoch stark geschrumpft und könnte sich sogar umkehren.

Gleichzeitig bricht für viele US-Geldhäuser ein zweiter Erfolgsfaktor im Kerngeschäft weg: Jahrelang profitierte die Branche davon, dass die robuste amerikanische Konjunktur fast alle Unternehmen und Verbraucher zu besseren Schuldnern machte. Deshalb konnten Citigroup, Bank of America und andere ihre Reserven für faule Kredite abbauen oder zumindest Rückstellungen für neue Kredite stark reduzieren. Doch diese Phase neigt sich dem Ende zu. Citigroup-Finanzchefin Sallie Krawcheck warnte vor wenigen Tagen bei einer Telefonkonferenz mit Analysten, dass die Ausfallraten von Verbraucherkrediten in Zukunft steigen werden. In der US-Kreditkartensparte drohen ihrer Aussage nach sogar zusätzliche faule Kredite "in Höhe von Hunderten Millionen Dollar".

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