Entdeckung der Langsamkeit
Porsche hat mit neuen Modellen und Zahlen keine Eile

Standhaft hat sich die Porsche AG bis heute geweigert, ihre Ergebnisse im eher kurzatmigen Rhythmus von Quartalen bekannt zu geben. Zudem kritisieren Analysten die lange Wartezeit auf den Panamera. Doch die Strategie des Unternehmens steht für Erfolg.

DÜSSELDORF. „Dieses Kurzfristdenken ist in meinen Augen keine sinnvolle Unternehmensführung“, hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im Juni 2001 der Öffentlichkeit beschieden und achselzuckend den Rausschmiss aus dem MDax in Kauf genommen. Denn Indexmitglieder müssen vierteljährlich berichten. Der Alleingang hat der Porsche- Aktie nicht geschadet. Ihr Kurs hat sich in zwei Jahren mehr als verdoppelt. Allein seit Mitte Februar ist er um knapp 30 Prozent gestiegen, drei mal stärker als die übrigen europäischen Autowerte. Und das, obwohl viele Fondsmanager auf die zu keinem Index gehörenden Titel verzichten müssen.

Jetzt gibt es neue Kursphantasie: Die Pläne, mit der Sportlimousine Panamera auch Viertürer zu bauen, liegen nach längerer Ankündigung auf dem Tisch. Damit stößt Porsche in eine hochlukrative, rasch wachsende Klasse. Der Absatz dieser Gruppe, in der vor allem der Mercedes CLS und der Sechser BMW dominieren, hat sich innerhalb von fünf Jahren auf 100 000 verdoppelt. Die Gewinnmargen liegen bei über 25 Prozent.

Für Porsche ist es die logische Fortsetzung einer erfolgreichen Modellpolitik. 1996 der Boxter, danach der neue 911er, 2002 der Cayenne. Jedes neue Modell hat Umsätze, Gewinn und Kurs hochgetrieben. Der neue Viersitzer dürfte alle ansprechen, die gerne sportlich fahren, trotzdem Platz für Gäste brauchen, Porsche schon immer gut fanden und sich ein rund 100 000 Euro teures Spielzeug leisten können.

Die Aktie selbst handelt noch nicht zu solchen Premiumpreisen. Das auf die Ergebnisse von 2005 bezogene Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei knapp 16. „Das ist nicht zu viel“, sagt der unabhängige Vermögensverwalter Lutz Gebser. Zumal Porsche die Entwicklungskosten der neuen Plattform aus der Handkasse bezahlen kann. Etwa eine Mrd. Euro kostet es, den Panamera auf den Markt zu bringen. 2,5 Mrd. Euro hat Porsche auf der hohen Kante.

Sorgen macht allenfalls die Abhängigkeit vom Dollar. Die langfristige Währungssicherung dürfte 2007 auslaufen. Dann ist Porsche den Dollarschwankungen ungeschützt ausgeliefert. Auch kritisieren Analysten die lange Wartezeit auf den Panamera bis 2008. Vielleicht wurde der Markt ein wenig zu ausführlich getestet. Doch selbst wenn die Kursentwicklung gelegentlich stockt: Langfristig denkende Anleger können Porsche ruhig ins Portfolio nehmen. Der größte Habenposten ist dauerhaft: die Glaubwürdigkeit des Vorstandschefs. Halbjahresberichte eingeschlossen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%