Entspannung
Der US-Konzern Motorola hat die Krise überstanden

So gut hat der Technologie-Konzern und führende US-Handyhersteller Motorola Inc. schon lange nicht mehr ausgesehen. Gewinn und Umsatz lagen im ersten Quartal 2005 erneut über den Erwartungen.

HB PORTLAND. Mit neuen Handy-Modellen gewann der Konzern weltweit Marktanteile und festigte seine Position als Nummer zwei hinter Marktführer Nokia aus Finnland und vor Samsung Electronics aus Korea. Die kapitalintensive und stark zyklische Halbleiterfertigung wurde entflochten, und die Bilanz ist solider denn je.

Die Fortschritte unter Motorola-Chef Ed Zander, der vor gut einem Jahr auf den Chefsessel in Schaumburg, Illinois rückte, werden einhellig gelobt. Die Modellentwicklung wurde beschleunigt, die Fertigung gestrafft und der Vertrieb verbessert. Analyst Daryl Armstrong von Citigroup Smith Barney hob seine Bewertung auf „Kaufen“ an, Dan Ilany von Bear Stearns hob den Aufbau freier Liquidität auf sechs Mrd. Dollar hervor und schrieb, eine weitere Aufwertung von Motorola-Schuldpapieren durch die Rating-Agenturen sei wahrscheinlich.

Gleichwohl bleibt der Aktienkurs labil und schaffte bislang nicht den Ausbruch aus seinem Schwankungs-korridor zwischen 14 und 20 Dollar. Die derzeitige Notierung mit 15,90 Dollar reflektiert laut Armstrong „mehr kurzfristige Risiken als lang-fristigen Optimismus“. Armstrong begründete seine Aufwertung der Aktie damit, dass Motorola mit att-raktiven neuen Modellen wie dem ultra-dünnen RAZR-Handy gut posi-tioniert ist, um vor allem auf den Hochpreis-Märkten in Europa und den USA Marktanteile zu gewinnen.

Auf der anderen Seite birgt Zanders Strategie, Nokia auf Billigmärkten wie China, Indien oder Malaysia direkt anzugreifen, erhebliche Risiken. Die Finnen legten für das erste Quartal ebenfalls Ergebnisse über den Erwartungen vor. Ihr weltweiter Marktanteil ist mit 30,7 % fast doppelt so groß wie der von Motorola, ihr Absatz in China stieg um 70 % und ihre Kostenvorteile bei Fertigung und weltweitem Vertrieb sind schon allein wegen der Größe bedeutend. Nokias Rohgewinnmarge liegt bei 19 %, Samsungs bei etwa 17 %, Motorolas liegt mit zehn Prozent deutlich niedriger.

Nach den Marktanteilsgewinnen am oberen Ende des Handymarktes greift der US-Konzern nun im Niedrigpreis-Segment an. Für Märkte wie Indien und Malaysia will Motorola nach einem im Februar geschlossenen Vertrag sechs Mill. Handys zum Stückpreis unter 40 Dollar liefern. Auch auf dem Heimatmarkt USA drängt Motorola mit billigeren Kamera-Handys auf Expansion. Das wird den Preiskampf auf einem ohnehin brutalen Markt weiter verschärfen und mindestens kurzfristig die hauchdünnen Gewinnmargen zusätzlich rasieren.

Auf der anderen Seite sind Motorolas finanzielles Fundament und die Gewinnmargen am oberen Ende des Marktes stark genug, um dieses kalkulierte Risiko einzugehen. „Wenn die Rechnung aufgeht, könnte der Erfolg spektakulär sein“, sagt Analyst Ben Wood von der Marktforschungsfirma Gartner. „Die nächsten beiden Quartale bergen erhebliches Preisrisiko“, schreibt Armstrong von Smith Barney, er sei jedoch auf längere Sicht optimistisch. Motorola habe bei der Entwicklung attraktiver Modelle die Nase vorn und sei damit gut plat-ziert, um neue Kunden zu erobern. Mit einem Kursziel von 20 Dollar hält sich Armstrong gleichwohl bedeckt. Auch Ilany von Bear Stearns hält es für wahrscheinlich, dass Motorola die optimistischen Prognosen für 2005 erfüllen kann. Er rechnet zudem damit, dass der Konzern einen Teil der Liquidität an seine Aktionäre verteilt – durch Aufstockung der mageren Dividende von 16 Cents oder durch den verstärkten Rückkauf eigener Aktien.

Als Fazit bleibt: Motorola hat die Krise hinter sich gelassen. Anleger sind jedoch gut beraten, bei Hightech-Aktien generell und besonders bei Firmen in stark umkämpften Märkten weiterhin vorsichtig zu sein.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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