„Erschreckende Unwissenheit“ von Frauen bei Finanzthemen
Ahnungsloser, aber erfolgreicher?

Frauen sollen in Geldfragen „sorgloser“ und „desinformierter“ sein als Männer. Mit Financial Facts und Figures tut sich der weibliche Kopf also besonders schwer? Infratest hat per Umfrage für die Commerzbank diesbezüglich eine „erschreckende Unwissenheit“ der Damenwelt festgestellt.

HB DÜSSELDORF. Bei der Präsentation der Studie wurden Forderungen nach „mehr finanziellem Selbstbewusstsein“ für Frauen und nach einer auf „weibliche Bedürfnisse“ zugeschnittene Bankberatung laut – sicherlich Wasser auf die Mühlen von Nischenanbietern wie Anlageberaterinnen für Frauen.

Die Ergebnisse der Umfrage bescheinigen mit Blick auf die dringend notwendige private Altersvorsorge unzweifelhaft immensen Beratungsbedarf: Gerade mal gut die Hälfte der interviewten Frauen UND Männer konnten Finanzfragen wie „Was unterscheidet eine Aktie von einer Anleihe“ richtig beantworten. Bei der Frage „Was ist Rendite“ schnitten Frauen noch schwächer ab als Männer.

Angesichts einer künftig klaffenden Rentenlücke beruhigt es auch nicht gerade, dass sich ausgerechnet junge Menschen – darunter offenbar besonders Frauen – und Einkommensschwächere extrem schlecht in Geld- und Finanzfragen auskennen. Finanzberater konzentrieren sich ja übrigens längst auf junge, auch weibliche, (Neu-)Kunden.

Aber was sind denn eigentlich weibliche Bedürfnisse in der Geldanlage? Grundsätzlich gehören Finanzen doch wohl zu den Themen, die mit dem Geschlecht wenig zu tun haben – genauso wie zum Beispiel Brot. Männer essen vielleicht mehr von dem Körnerprodukt als Frauen, was in einer repräsentativen Umfrage sicherlich schnell ermittelt wäre. Und Frauen müssen eben mehr privat für ihr Alter sparen, weil sie im Durchschnitt weniger gesetzliche Rente bekommen und statistisch länger leben als Männer.

Damit sind doch wohl aber die geschlechtlichen Unterschiede beim Brot wie bei der Geldanlage benannt. Sollten sich Bäckereifachverkäufer deswegen nun speziell auf des Mannes Informationsbedürfnis rund ums Brot schulen lassen? Und muss ein Finanzberater mit Frauen anders reden als mit Männern, damit sie sinnvoll Geld anlegen? Man darf gespannt sein, wie die Kundenberater der Commerzbank nun auf „spezifische Informationsbedürfnisse von Frauen sensibilisiert“ werden.

Die Geldberater der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen können jedenfalls bei ihren Kunden keine geschlechtsspezifischen Wissens-Unterschiede feststellen. „Die Leute, die kommen, haben unterschiedslos eines gemeinsam: großen Beratungsbedarf“, sagt Berater Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale.

Aus andere Umfragen erfährt man übrigens, dass Frauen erfolgreicher Geld anlegen als Männer. Die Direktanlagebank (DAB) hat in mehreren Stichproben aus verschiedenen Jahren festgestellt, dass ihre weiblichen Kunden höhere Erträge als ihre männliche Klienten erzielt haben. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) kam nach der Auswertung verschiedener Studien zu demselben Ergebnis.

Die DAB will außerdem ermittelt haben, dass Frauen ihre Finanzen selbst regeln, was nach der Commerzbank-Studie einem Viertel der Frauen abgesprochen wurde. Wieviele Männer ihre Finanzentscheidungen eigentlich ihren Partnerinnen überlassen, blieb hier übrigens offen.

Umfragen hin oder her: Jeder, der Geld anlegen will oder muss, möchte doch eigentlich nur eines wissen: Mit welcher Strategie – nach persönlich vertretbarem Risiko – am meisten dabei heraus kommt.

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