ETF-Dachfonds
Geiz ist geil, auch für Fonds

Wunder dauern manchmal etwas länger. Seit vielen Jahren wartete die Anlagebranche auf den ersten Dachfonds, der nur in den billigen börsengehandelten Indexfonds anlegt, den so genannten Exchange Traded Funds oder ETFs. Jetzt ist er da: Die Société-Générale-Fondstochter Veritas bringt Anfang April den „ETF-Dachfonds“.

FRANKFURT. Bisher zierten sich die Anbieter, zum Teil aus Angst, mit einem solchen Billigheimer eine Lawine von Gebührensenkungen auszulösen und sich damit ins eigene Fleisch zu schneiden. Oft streikte auch der Vertrieb, denn preiswerte Produkte für den Anleger bedeuten auf der anderen Seite geringe Einnahmen für den Vermittler oder Berater. Veritas will diese Probleme abfedern und verlangt deshalb vom Anleger einen Extra-Obolus bei guter Wertentwicklung.

Der Dachfonds ist eine Art Vermögensverwaltung in einem einzigen Produkt. Manager Markus Kaiser kann je nach Einschätzung der Kapitalmärkte beispielsweise ETFs auf den Dax, den Welt-Aktienindex von MSCI, auf Messlatten für dividendenstarke Titel, auch Indexfonds auf Anleihen, Rohstoffe oder Immobilien ins Depot nehmen. Die Finanzfachleute sprechen hier gerne von aktiver Vermögensverwaltung mit passiven Bausteinen. Passiv ist auf den Index bezogen und will sagen: Dieser Index wird nicht verändert.

Der neue Dachfonds lockt mit einem doppelten Gebührenvorteil – in dieser Form ein Novum für den deutschen Markt. Zunächst zahlt der Anleger keine Kaufgebühr, die bei bisherigen Dachfonds bis zu fünf Prozent der Kaufsumme ausmacht. Der weitere Vorteil ist praktisch eingebaut. Der Dachfonds erwirbt ETFs, die grob gerechnet nur ein Viertel der laufenden Gebühren eines klassischen Aktien- oder Anleihefonds verlangen.

Zum Nulltarif gibt es den Superfonds natürlich nicht. Veritas erhält eineinhalb Prozent pro Jahr als Entgelt für das Fondsmanagement. Das ist durchaus üblich. Dazu kommt – das ist eher ungewöhnlich – eine Erfolgsbeteiligung: Veritas streicht 15 Prozent von dem Performanceanteil ein, der die Marke von fünf Prozent übersteigt. Holt Kaiser beispielsweise in einem guten Kalenderjahr 20 Prozent heraus, verbleiben davon stolze 3,75 Prozent beim Anbieter. Diese Zahl ergibt sich aus der fixen Managementgebühr plus der anteiligen Erfolgsvergütung.

Trotzdem hat der Newcomer von der Idee her beste Voraussetzungen, den Weg für Produkte mit schlanken Gebühren zu ebnen und damit auch für den Kunden das Beste zu leisten. Der Anleger braucht einfache, verstehbare und billige Produkte – die auch noch erfolgreich sein sollten. Die halbe Miete beim Anlageerfolg sind geringe Gebühren, denn die fördern die Wertentwicklung. „Geiz ist geil“ sollte auch zum Verkaufsschlager in der Anlagewelt werden. Jetzt müssen die Fondsexperten aber noch den Weg bis zum Ende gehen. Das heißt: Bitte keine Erfolgsvergütung, denn die verwässert den guten Ansatz.

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