Euphoriebremse
Der Dax profitiert von seinen vielen zyklischen Werten

Wenn auch zuletzt erstmal verschnauft wurde, der Dax ist Nummer eins in Europa und derzeit eine der Top-Investment-Ideen weltweit. Doch Vorsicht! Ehe nun endgültig die Euphorie mit den Investoren durchgeht ist es Zeit, auf die Hintergründe zu blicken.

FRANKFURT/M. All denjenigen, die das ewige Gerede von Deutschland als Schlusslicht in Europa nicht mehr hören können, wird die Entwicklung des Deutschen Aktienindex (Dax) in den vergangenen Monaten wie Öl runtergehen. Neidvoll sehen Beobachter aus dem Ausland, wie „unser Parade-Index“ steil bergauf marschiert. Wenn auch zuletzt erstmal verschnauft wurde, der Dax ist Nummer eins in Europa und derzeit eine der Top-Investment-Ideen weltweit. Die blanken Zahlen sagen mehr als viele Worte: Ein Plus von zwischenzeitlich rund 18 Prozent seit Ende April, das schafft so schnell keiner.

Doch Vorsicht! Ehe nun endgültig die Euphorie mit den Investoren durchgeht und „Bild“ eine Titelgeschichte mit Kleinanlegern bringt, die ihren Job gekündigt haben, weil sie an der Börse mehr Geld verdienen können, ist es Zeit, auf die Hintergründe zu blicken. Probates Mittel dafür ist es, die bedeutenden Indizes nach ihren Einzelwerten zu selektieren – speziell danach, ob diese offensiv, also zyklisch, oder defensiv, also weniger zyklisch, sind. Zyklische Werte aus Branchen wie Chemie, Automobil, Industrie und Technologie gelten in Phasen einer anziehenden Konjunktur bei Investoren als spannend und sind entsprechend gefragt. Gemeint ist selbstverständlich die Weltkonjunktur, nicht die noch immer lahmende deutsche Binnenkonjunktur.

Im Dax sind im Vergleich zu vielen anderen Leitindizes überdurchschnittlich viele Zykliker enthalten. Über 45 Prozent der 30 Dax-Werte zählen zu dieser Gruppe, hat Andreas Hürkamp von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) ausgerechnet. Zum Vergleich: Von den 50 Werten im für die Euro-Zone maßgeblichen Index Euro Stoxx 50 sind es nur 18 Prozent, im paneuropäischen Leitindex Stoxx 50 gar nur zehn Prozent. Dort dominieren die defensiven Öl- und Gaswerte, die Nahrungs- und Genussmittel und die Telekommunikation. Kein Wunder also, dass diese Indizes dem Dax zuletzt in der Kursentwicklung deutlich hinterher hinkten.

Kann nun der Dax am Ende gar nichts für seine tolle Kursentwicklung? Der Leitindex profitiert derzeit besonders davon, dass sich die günstige Bewertung nahezu aller deutscher Topwerte inzwischen weltweit herum gesprochen hat. Das macht nicht nur deren Aktien interessant, viele Unternehmen werden Gerüchten zufolge auch immer wieder als Übernahmekandidaten genannt. Die Liste geht von der Commerzbank über Siemens bis zu Linde und Schering. Und jedes Gerücht steigert nicht nur den Aktienkurs, sondern wirkt sich mittelbar auch auf die Dax-Entwicklung aus. Dabei ist ein Gerücht nicht entscheidend. Die Summe vieler Gerüchte sorgt aber für mächtig Schwung.

Es ist also der Mix aus guter Weltkonjunktur, niedriger Bewertung und jeder Menge Übernahmephantasie, dem der Dax derzeit seine exponierte Stellung im internationalen Wettbewerb verdankt. Die Frage übrigens, was denn mit dem Dax passiert, wenn es mit der Weltkonjunktur wieder bergab gehen sollte, ist ebenfalls leicht beantwortet. Er wird deutlich stärker fallen als viele andere europäische Leitindizes. Daran werden auch günstige Bewertungen und Übernahmespekulationen nichts ändern können.

Und mit wem sollte der Dax dann künftig verglichen werden? Nicht mit den internationalen Leitindizes, sondern besser mit den kleineren technologielastigen Börsenbarometern. Hürkamp rät beispielsweise zum Nasdaq-Composite-Index, weil der ebenfalls sehr stark am Tropf der Weltkonjunktur hängt. Ein Blick auf die Entwicklung beider Indizes über die vergangenen Jahren zeigt deutlich, dass Trendwenden in der Konjunktur dort fast zur gleichen Zeiten Einfluss auf die Kurskurve nahmen. Als beispielsweise Anfang Mai die Frühindikatoren begannen, sich von ihren Zwei-Jahres-Tiefs zu erholen, zogen Dax und Nasdaq sofort im Gleichschritt an. 16 Prozent Plus waren es seither in der Spitze an der Nasdaq, besagte 18 Prozent im Dax. Selbst die jüngste Auszeit nahmen beide Indizes gemeinsam.

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