Europäische Vermögensverwalter haben den Kontakt zum Kunden verloren
Der missachtete Anleger

Investmentfonds sind ins Hintertreffen geraten. Dabei sitzen sowohl professionelle als auch private Anleger derzeit auf hohen Geldsummen. Und auch die Einsicht, dass private und betriebliche Altersvorsorge dringend notwendig ist, müsste den Fonds als klassischen langfristigen Anlageprodukten eigentlich einen wachsenden Geldzufluss bescheren.

FRANKFURT/M. Und die europäische Vermögensverwalter müssten das Thema Altersvorsorge als Riesenchance verstehen, gemeinsam mit ihren Kunden passende Produkte zu finden und damit der Branche einen Schub zu geben.

Aber statt das Problem schnell anzupacken, konzentriert sich die Branche aufs Diskutieren. So beherrschte das Thema „mangelndes Vertrauen der Anlegern gegenüber Fondsgesellschaften“ die letzte Jahrestagung des europäischen Fondsverbands Fefsi. Währenddessen stagniert der Absatz von Publikumsfonds in Europa.

Aktuellstes Beispiel in Deutschland ist der Fehlstart der Hedge- Fonds. So hatte der Marktführer DWS vollmundig prognostiziert, dass er 2004 rund eine Milliarde Euro Hedge-Fonds-Kapital einsammeln wolle. Bis jetzt konnte aber nicht einmal die gesamte deutsche Branche diese Summe erreichen. Sicherlich kann man diese Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit teilweise mit der enttäuschenden Performance entschuldigen. Ein gewichtiger Grund ist gewiss aber auch die Distanz zwischen Fondsanbietern und Anlegern.

Man bekommt den Eindruck, dass die Fondsgesellschaften die Bedürfnisse ihrer Kunden nicht verstehen. Beobachter der europäischen Vermögensverwaltungsindustrie überrascht dies nicht. Viele Assetmanager sind so weit entfernt vom Investor, dass keine effektive Kommunikation stattfinden kann.

Dies belegt die Umfrage des großen Wertpapierverwahrers Bank of New York über Anlegervertrauen in Europa. Es wurde gefragt, ob Investoren den Finanzdienstleistern heute mehr oder weniger vertrauen als vor zehn Jahren. Und ob Publikumsfonds in den letzten fünf Jahren wegen mangelnden Vertrauens Geschäft verloren haben? Ferner welche Faktoren die wichtigsten sind, um Vertrauen wieder aufzubauen? Ohne Zweifel wurden hier die entscheidenden Fragen gestellt. Bezeichnenderweise richtete sich die Umfrage aber an die Fondsgesellschaften und nicht an Anleger.

Eine besonders interessante Frage war, ob die Finanzdienstleister generell immer wirklich im Interesse der Kunden handeln. Davon zeigten sich nur knapp die Hälfte der europäischen Vermögensverwalter überzeugt.

Den Fondsverband Fefsi dürfte diese Antwort zum Nachdenken gebracht haben. Denn bislang hält dessen Generalsekretär Steffen Matthias als europaweiter Vertreter der Fondsfirmen den Anspruch aufrecht, dass der Verband auch die Interessen der Kunden wahrt. Zumindest die Umfrage deutet aber darauf hin, dass hier eine natürliche Interessensdiskrepanz besteht.

Der Grund für diese unbefriedigende Lage liegt wahrscheinlich in der Trennung der Branche in Assetmanager auf der einen Seite und Vertrieb über Banken und unabhängige Finanzdienstleister auf der anderen. Das erklärt die große Entfernung zwischen Vermögensverwalter und Kunden.

Wenn Vermögensverwaltungsgesellschaften die Herausforderungen in der Altersvorsorge für sich nutzen wollen, müssen sie über ihren Vertrieb funktionierende Kommunikationswege schaffen. So könnten sie sicherstellen, dass Kunden richtig über Produkte informiert werden und sie selbst über die Bedürfnisse der Kunden.

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