Expansion sind Grenzen gesetzt
Gutes Bier – schlechte Aktie

Bei der belgischen Brauerei Duvel Moortgat ist nur deren Bier ein klarer Kauf.

Es ist eine Liebesgeschichte“, schwärmt der Schriftsteller Eric Leplat. Das Objekt seiner Begierde heißt „Duvel“ - zu Deutsch Teufel. In der Brüsseler Bar „L’Esperance“ teilen viele Gäste Leplats Leidenschaft. „Kein anderes Bier kommt ihm gleich, Duvel ist wirklich sein Geld wert“, bestätigt der Wirtschaftsprüfer Matthieu Coulon. Der dichte, blumig-weiche Geschmack mit seiner üppigen Krone und einem Alkoholgehalt von 8,5 Prozent überzeugt die Belgier.

Der Familienbrauerei Duvel Moortgat bescherten die treuen Trinker in der ersten Jahreshälfte 2003 einen Zuwachs beim Nettogewinn auf 2,82 Mill. Euro gegenüber 2,5 Mill. Euro im vorhergehenden Halbjahr. Der Umsatz stieg auf 31,78 Mill. nach zuvor 28,41 Mill. Euro. Die Aktien sind seit März um rund 50 Prozent geklettert. Doch selbst eine teuflisch gute Erfolgsgeschichte hat ihre Haken: Solange die mehrheitlich beteiligte Moortgat-Familie ihren Griff nicht lockern will, sind der Expansion Grenzen gesetzt. Momentan liegt der Aktienkurs bei knapp 23 Euro und damit weit unter dem Erstemissionskurs von 36,50 Euro im März 2000.

Die Bierbranche in Europa befindet sich in einer Konsolidierung. Große Brauereien wollen starke, lokale Marken übernehmen. So haben in diesem Jahr SAB Miller die italienische Peroni und Heineken die österreichische BBAG aufgesaugt. Kurz vor dem Oktoberfest hat sich der belgische Riese Interbrew die Münchener Familienbrauerei Spaten einverleibt. Duvel wird sich anstrengen müssen, um in den Regalen so gut platziert zu werden, dass die Brauerei weiter expandieren kann.

„Es gibt eine Marktnische für kleine Bierbrauer. Die Kunden lieben deren individuellen Geschmack. Aber kleine Brauereien im Familienbesitz haben keine Chance, sich bei der Distribution und im Einzelhandel gegen die Großen zu behaupten“, sagt Mike Benner von Camra, einer britischen Organisation, die sich dem Kampf für „echtes Bier“ verschrieben hat. In Großbritannien kontrollieren die vier größten Brauereien mittlerweile 80 Prozent des Marktes, Familienbrauereien dagegen nur 15 Prozent. Vor 14 Jahren hatten Familienbrauereien fast ein Viertel des Marktes inne.

Duvel wurde 1871 von Jan-Leonard Moortgat im Bauerndorf Breendonk im Norden von Brüssel gegründet. Entgegen dem Trend ist die Brauerei immer noch unabhängig und wird seit vier Generationen von der Familie geleitet. Der 36-jährige Chef Michel Moortgat setzt auf die Qualität seiner Biere und zählt bei der Distribution auf die Riesen Interbrew und Heineken. „Mit unseren 300 000 Hektolitern im Jahr sind wir für die Großen keine Bedrohung“, sagt er. Interbrew kommt jährlich auf 102 Mill. Hektoliter.

Ist Moortgat nicht doch eine Bedrohung? „Wenn Duvel den Absatz ihrer Premium-Marken angreift, dann werden Interbrew und Heineken ihre Distributionsverträge kündigen“, warnt Marc Leemans, Analyst von KBC Securities in Brüssel. Als weiteres Problem kommt hinzu: Die Marke „Duvel“ macht 75 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Der wahre Grund für die Skepsis der Investoren liegt jedoch in der Kontrollmacht der Familie. Duvel-Aktien sind nur zu 21,57 Prozent frei verfügbar, die restlichen Anteile werden von den Moortgats gehalten. Solange die Familie das Sagen hat, gibt es keinen Grund, Duvel zu halten. Anders wäre das bei einem Verkauf. Aber Michel Moortgat schließt das aus.

Mögliche Heiratskandidaten gäbe es zur Genüge. Auch wenn aus kartellrechtlichen Gründen Interbrew vielleicht ausscheiden müsste, stünden immer noch Heineken, Scottish & Newcastle, SAB Miller und die amerikanische Anheuser-Busch in der Warteschleife. Alle sind derzeit auf der Suche nach Spezialbrauereien.

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