Experten-Hitlisten helfen bei der Anlageentscheidung
TÜV für Analysten

Analysten sind in Misskredit geraten, dennoch sind ihre Meinungen für Anleger weiterhin relevant. Eine Orientierungshilfe bieten die regelmäßigen Analysten-Qualitätsurteile verschiedener Finanzinformationsdienstleister.

FRANKFURT/M. Doch Vorsicht: Hinter diesen so genannten Analystenrankings stecken unterschiedliche Methoden. Entsprechend variieren ihre Aussagen und damit die ablesbaren Investitionsentscheidungen für Anleger.

Das Londoner Institut AQ bewertet beispielsweise in vierteljährlichen Abständen die Treffgenauigkeit der Analysten bei ihren "Kaufen/Halten/Verkaufen"-Urteilen. Außerdem werden in einer Extrauntersuchung die Gewinnschätzungen je Aktie der Analysten mit den später veröffentlichten Zahlen des Unternehmens verglichen. „Investoren können daraus ablesen, welche Analysten ein gutes Verständnis für die Unternehmen und die Märkte haben, die sie beurteilen“, erklärt AQ-Geschäftsführer Graham Field. Außerdem habe sich gezeigt, dass sich Versorger, Pharma-Unternehmen oder Einzelhändler besser vorhersagen ließen als beispielsweise Telekom- oder Technologietitel.

Allerdings unterscheiden sich schon in den beiden AQ-Untersuchungsansätzen die jeweiligen Ergebnisse: Bei den Empfehlungen für deutsche Aktien hoben sich jüngst M.M. Warburg, die DZ Bank und Commerzbank Securities von der Konkurrenz ab. Bei den treffsichersten Gewinnprognosen je Aktie für deutsche Unternehmen sah AQ hingegen die Helaba, die BW-Bank und die Hypo-Vereinsbank auf den vordersten Plätzen. Beide Untersuchungen beruhen auf objektiv-statistischen Methoden. Sie haben aber den Nachteil, dass sie alleine für sich stehen und jeweils nur ein Qualitätskriterium näher beleuchten.

Zu ganz anderen Top-Analysten kommt daher die Rangliste des US-Fachmagazins Institutional Investor, die die Deutsche Bank, MainFirst Bank und UBS auf den vorderen Plätzen sieht. Die Hitliste des Magazins beruht auf einer groß angelegten Befragung von Fondsmanagern und Vermögensverwaltern, wer die besten Analysten hat. Eine ähnliche Methode wenden übrigens auch Thomson Extel Survey und die japanische Zeitung Nihon Keizai Shimbun an.

Die Analysten Andreas Neubauer und Bernd Meyer von der Deutschen Bank hätten vor allem Aktien empfohlen, die sich wesentlich besser als der Dax entwickelt hätten, heißt es im Institutional Investor. Björn Kirchner von der MainFirst Bank wurde wegen guter Investmentideen zu kleinen und mittleren Werten ausgezeichnet. Bernd Janssen von UBS habe sich mit tiefgehenden Analysen hervorgetan, heißt es weiter.

Anleger müssen bei diesen Interview-Erhebungen allerdings beachten, dass kleinere oder weniger bekannte Researchhäuser bei solch einem Ranking kaum eine Chance haben. Schließlich wickeln die befragten Fondsmanager ihre Wertpapiergeschäfte meist über wenige große Häuser ab. Sie beurteilen die Qualität der Analysten laut Institutional Investor auch eher am Service im Wertpapierhandel oder guten Investmentideen als an einzelnen Kennziffern wie beispielsweise der Treffsicherheit der Gewinnprognose je Aktie. Da Privatanleger hingegen kaum in den Genuss einer persönlichen Betreuung durch die Analysten kommen, nutzen ihnen die sehr guten Bankleistungen auf diesen Gebieten nicht allzu viel. Und: Ein gutes Abschneiden im Gesamtranking sagt noch nichts über die Analysequalität im Einzelfall aus.

Noch einen anderen Weg gehen die amerikanischen Anbieter Investars und Starmine. Sie bilden ein Musterportfolio, in das sie Aktien je nach der Stärke der Analystenempfehlungen aufnehmen. Der Erfolg der Urteile kann dann an der Portfolioentwicklung gemessen werden.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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