Experten rufen täglich nach dem Ende der Tech-Rally
Die Mär einer Blase

Es ist Zeit mit einem Vorurteil aufzuräumen: Entgegen der landläufigen Meinung können auch Analysten kritisch sein. Wann immer seit Beginn der Kurserholung im März Aktienstrategen nach ihren Favoriten für die kommenden Monate gefragt wurden – Technologiewerte standen in den wenigsten Fällen auf den Empfehlungslisten. Im Gegenteil: Seit sich der Markt von seinen Frühjahrs-Tiefständen weg bewegt, werden die Skeptiker nicht müde, vor einer neuen „Spekulationsblase“ zu warnen.

DÜSSELDORF. „Finger weg von Technologiewerten“, lauten daher die Empfehlungen vieler Strategen. Nicht ohne Grund, denn das Ende des Tech-Booms im Jahr 2000 hat nicht nur bei den Anlegern, sondern auch bei den Banken schmerzhafte Wunden hinterlassen. Noch einmal wollen sich die Analystenhäuser nicht vorwerfen lassen, die Euphorie an dem, was einmal „Neuer Markt“ hieß, zu Unrecht geschürt zu haben. Gerade warnte die US-Bank Goldman Sachs, dass Gewinne und Umsätze der Tech-Konzerne kaum in dem Tempo weiter steigen könnten wie zuletzt. Damit würden deren Aktien an Schwung verlieren, befürchten die Banker.

Doch Totgesagte leben länger. Gerade High-Tech-Aktien zählen zu den großen Gewinnbringern an der Börse. 50 Prozent hat etwa der US-Technologieindex Nasdaq Composite seit März an Wert gewonnen, der deutsche TecDax kletterte gar um 80 Prozent. Natürlich ist angesichts solcher Zuwächse Vorsicht angemahnt, zumal der Anstieg zu Beginn der Rally im Wesentlichen durch die Hoffnung auf bessere Zeiten getragen wurde.

Aber die andauernden Warnungen vor einer neuen „Blase“ führen ins Leere. Eine fundamentale Verteufelung des Tech-Segmentes hieße für die Anleger, dass sie auf attraktive Renditechancen verzichten. Denn eine Reihe von Unternehmen beginnt gerade damit, den erwartungsgetriebenen Kursanstieg auch fundamental zu untermauern. Allen voran gehen die Hersteller von Computer- und Mobilfunkchips. Sie haben im dritten Quartal ermutigende Geschäftszahlen vorgelegt. Selbst Dauer-Verlustbringer wie Infineon werden das Jahr mit einiger Sicherheit mit schwarzen Zahlen beenden. Für den Tech-Sektor ist das ein wichtiges Signal, denn die Umsätze der Halbleiterindustrie gelten in der Branche als wichtiger Frühindikator. Kaum ein High-Tech-Gerät kommt heute noch ohne Chips aus, daher gilt eine steigende Nachfrage nach Halbleitern als Indiz für bessere Geschäfte der Technologie-Branche. Auch die jüngsten Wirtschaftsdaten in Euroland und den USA spielen dem Sektor in die Karten. Die Zeichen für einen Aufschwung verdichten sich und in einem solchen Umfeld profitieren Zykliker an der Börse am stärksten.

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