Extremer Höhenflug
Begehrte Nebenwerte

Überraschend war die Indexentscheidung der Deutschen Börse vom späten Freitag Abend keineswegs. Es sind eher die feinen Zwischentöne, die im Nachklapp zu Interpretationen anregen. Und gerade die sind wichtig, um den extremen Höhenflug der Nebenwerteindizes einordnen zu können.

FRANKFURT. Beispielsweise gibt die einzige Veränderung TecDax – hier ersetzt ab dem 20. März das Berliner Solarunternehmen Solon den Bahnzulieferer Funkwerk – denjenigen recht, die der Meinung sind, dass der Technologieindex mehr und mehr zum Solarindex wird. Mit Conergy, Solarworld, Q-Cells, Ersol und nun eben Solon kommen dort inzwischen fünf der 30 Unternehmen aus dieser Branche. Das sind zwar lediglich ein Sechstel. Diese Aktien waren in erster Linie aber der Grund dafür, dass der TecDax, der in den letzten drei Jahren dem Aufwärtstrend bei den Nebenwerten hinterher hinkte, seit Jahresbeginn die beste Kursentwicklung unter allen deutschen Indizes nahm. Gut 25 Prozent hat er seither zugelegt.

Die Aufnahme von Solon signalisiert den Anlegern aber einen Wandel, der im Bereich der Technologiewerte im vergangenen Jahr seinen Anfang nahm und sich 2006 weiter fortsetzt. Verursacht durch die rasant steigenden Öl- und Gaspreise rücken Aktien aus dem Bereich der Regenerativen Energien verstärkt in den Blickpunkt. Einst die Windkraft und nun die Solarwerte sind wohl erst der Anfang einer Welle, die sich in den nächsten Jahren noch vergrößern wird. Gut möglich, dass in einigen Jahren dort Werte aus den Bereichen Erdwärme oder Biodiesel vertreten sind. Auffällig ist auf der Gegenseite, dass Aktien aus einst angesagten Branchen wie Biotechnologie, IT-Dienstleistung oder Internet an Einfluss verloren haben, teilweise sogar als „out“ gelten.

Im MDax, in den eher die klassischen Werte vertreten sind, kommt es ebenfalls nur zu einer Veränderung. Die erst seit Herbst vergangenen Jahres börsengelistete Baumarktkette Praktiker ersetzt dort den Elektronik-Händler Medion, dessen Kurs nach seiner massiven Gewinnwarnung gleich zu Jahresbeginn deutlich eingebrochen war und sich davon bis heute nicht erholt hat. Bereits vor einer Woche hat das Kölner Immobilien-Unternehmen Vivacon die Degussa ersetzt, deren Streubesitz unter die erforderlichen fünf Prozent gefallen war.

Mit der MDax-Aufnahme bestätigt Praktiker einen seit längerem andauernden Trend. In den letzten Jahren rückten etliche mittelgroße Börsenneulinge in den MDax. Die Postbank, Lanxess, MTU Aero Engines, Premiere und Wincor Nixdorf hatten zuletzt schon für sehr viel Blutauffrischung gesorgt. Nun gesellt sich also Praktiker dazu. Die Liste könnte schon bald erweitert werden, wenn Air Berlin und Wacker Chemie mit ihren Börsenplänen ernst machen. Die Phantasie der Anleger auf neue Höhenflüge des MDax könnte so weiter geschürt werden.

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