EZB meidet Anleihen des US-Hypothekenfinanzierers
Angst vor Freddie?

Schon wieder Freddie Mac und Fannie Mae. Zum zweiten Mal sind die US-Finanzkonzerne mit den lustigen Namen und den komplizierten Problemen Gegenstand dieser Kolumne.

NEW YORK. Das liegt daran, dass die beiden Hypothekenfinanzierer so wichtig für das Weltfinanzsystem sind. Und seit der ersten Kolumne Anfang April sind beide weiter unter Druck geraten.

Das jüngste Gerücht: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Mitgliedsbanken aufgefordert, Bonds der beiden größten US-Hypothekenfinanzierer zu verkaufen (Seite 24). Zudem habe die EZB einen Teil ihrer Bestände abgestoßen, zitiert die Agentur Bloomberg eine anonyme Quelle aus Zentralbank-Kreisen.

Zwar kaufen Europäer im Schnitt weniger als 10 % der von Freddie und Fannie angebotenen Anleihen. Aber asiatische Zentralbanken sind mit einem Anteil von 25 bis 35 % wichtiger. Und sie könnten dem Beispiel der EZB folgen. Schon zuvor belasteten Gerüchte die Kurse der Aktien und Anleihen von Freddie und Fannie.

Verunsicherung bringt auch der Wechsel dreier Spitzenmanager bei Freddie Mac vor einigen Wochen. Für ihre Anleihen müssen Freddie und Fannie höhere Renditeaufschläge zahlen als vor wenigen Wochen. Das spiegelt die Nervosität der Investoren wider. Sollten beide ernste Probleme bei der Kapitalaufnahme bekommen, lässt sich ein Horrorszenario ausmalen: Eine Krise würde den amerikanischen Immobillienmarkt belasten, die wohl wichtigste Stütze der dortigen Wirtschaft. Dies hätte unabsehbare Folgen für die US-Konjunktur und das gesamte Weltfinanzsystem.

Aber der Reihe nach. Was machen Freddie (korrekter Name: Federal Home Loan Mortgage Corporation) und Fannie (Federal National Mortgage Association) eigentlich? Beide wurden vom US-Kongress gegründet, um den Wohnungsbau zu fördern. Dazu kaufen sie in großem Stil Baukredite von anderen US-Banken. Einen Teil davon halten sie in der Bilanz, den Rest reichen sie als hypothekengesicherte Wertpapiere (mortgage-backed securities) an Investoren weiter. Die Mittel für ihr Geschäft besorgen sich die Schwesterfirmen am Kapitalmarkt.

Die Dimensionen sind gigantisch: Freddie und Fannie kontrollieren 42 % des 7 Bill. $ schweren US- Marktes für private Baudarlehen. Zwar sind Fannie und Freddie längst privatisiert. Aber wegen ihres öffentlichen Auftrags und ihrer engen Bindung zur Politik galten sie als fast so sichere Emittenten wie die US-Regierung selbst. Eine formale Staatsgarantie, wie im Fall der Deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fehlt beiden jedoch.

Genau da liegt das Problem. Zwar zählen Fannie- und Freddie-Papiere zu den solidesten Investments überhaupt, wenn man annimmt, dass der Staat zur Not einspringt. Darum tragen sie auch die Bestnote AAA für höchste Kreditwürdigkeit. „Wenn man aber beginnt, Fannie und Freddie als alleinstehende Unternehmen zu analysieren, erscheinen sie plötzlich als zwei der weltweit am stärksten schuldenfinanzierten Finanzinstitute weltweit“, zitiert das Wall Street Journal James Bianco von der Beratung Bianco Research.

Fannie sitzt auf Wohnungskrediten im Wert von rund 816 Mrd. $ – fast komplett kreditfinanziert. Bei Freddie sind es 573 Mrd. $. Offenbar fürchtet EZB-Chef Wim Duisenberg die Risiken, die Wertpapiere von Freddie und Fannie bergen. Ein Anlass für Privatanleger, auch die Reißleine zu ziehen.

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