Finanzmärkte: Liebe Anleger, Ihr macht Euch was vor!

Finanzmärkte
Liebe Anleger, Ihr macht Euch was vor!

Krise, welche Krise? In der Finanzwelt blenden die Anleger die Probleme Europas aus und kaufen kräftig Aktien. Aber zu glauben, das Schlimmste an den Märkten wäre schon vorbei, ist naiv. Zumindest kurzfristig.

Frankfurt Die Lage ist ernst – ernster, als manche glauben. Die aktuelle Krise geht ans Eingemachte – das ist nicht zu leugnen. Doch wen interessiert das eigentlich hierzulande? Den Deutschen geht es gut, sie haben ihren Lebensstandard gehalten – trotz Krise. Sie zeigen eine Eigenschaft, die man von ihnen kaum kennt: Optimismus. Das Gerede von der Krise haben sie schlichtweg satt.

Aber die Krise existiert, das ist Fakt. Viele wollen das nicht sehen, was Politikern gelegen kommt. So bleiben Systemschwächen verdeckt. Banken, Versicherungen und Pensionskassen geraten als „Staatsfinanzierer“ in die Ausweglosigkeit. Das gigantische Schuldenproblem wird auf dem Rücken der Bürger gelöst. Das kann depressiv machen. Genau das aber soll vermieden werden. Kapitalanleger sollen sich nach dem Willen der Politiker weniger mit der Krise beschäftigen. Das wäre gefährlich. Dann könnten Politiker notwendige Entscheidungen nicht mehr ohne Wählermandat umsetzen.

Der Ausweg: Menschen werden in gute Stimmung versetzt. Der Krisenlärm wird durch Ablenkungsmanöver und Schalldämpfer gedämpft. Kapitalanlegern und Steuerzahlern bleibt so der Spaß am Leben erhalten; sie sollen das System ja weiter stützen. Kritisches Nachdenken würde nur schaden.

Gute Laune muss also her – gerade in der Finanzwelt. Auch wenn sie künstlich durch Politiker erzeugt wird. Fakt ist: Die Krise hat eine gigantische Liquiditätsschwemme bewirkt, die Aktien in höhere Gefilde katapultiert und wohl auch deshalb weiter stützen wird, weil der Nimbus von Staatsanleihen als sicherste aller Anlagen nicht mehr besteht. Dass die Renditen deutscher und amerikanischer Staatsanleihen von ihren unrealistisch tiefen Ständen zuletzt kräftig nach oben geschossen sind, haben viele Anleger als Warnsignal aufgefasst.

Das aus Bonds abgezogene Geld floss verstärkt in Aktien, weil Investoren der freien Wirtschaft mehr vertrauen als Regierungen. Doch Börsenprognosen allein auf den Faktor Liquidität zu stützen, ist gefährlich. In den aktuellen Kursen ist die Gefahr einer globalen Rezession nicht eingepreist. Mit anderen Worten: Die Krise kann noch für negative Überraschungen sorgen. Heute als Kapitalanleger zu glauben, das Schlimmste sei ausgestanden, ist ein sehr gefährlicher Standpunkt.

Aber letztlich ist alles nur eine Frage des Zeithorizonts. Aktuell ist die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos. Jede Krise bietet Chancen. Wenn das Centennium-Debakel – sei es schleichend oder durch lauten Knall – beendet ist, wird die Welt eine neue ökonomische Blüte erleben. Das macht gute Laune.

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