Finanzmärkte: Liebe Anleger, Ihr macht Euch was vor!

Finanzmärkte
Liebe Anleger, Ihr macht Euch was vor!

Krise, welche Krise? In der Finanzwelt blenden die Anleger die Probleme Europas aus und kaufen kräftig Aktien. Aber zu glauben, das Schlimmste an den Märkten wäre schon vorbei, ist naiv. Zumindest kurzfristig.
  • 13

Frankfurt Die Lage ist ernst – ernster, als manche glauben. Die aktuelle Krise geht ans Eingemachte – das ist nicht zu leugnen. Doch wen interessiert das eigentlich hierzulande? Den Deutschen geht es gut, sie haben ihren Lebensstandard gehalten – trotz Krise. Sie zeigen eine Eigenschaft, die man von ihnen kaum kennt: Optimismus. Das Gerede von der Krise haben sie schlichtweg satt.

Aber die Krise existiert, das ist Fakt. Viele wollen das nicht sehen, was Politikern gelegen kommt. So bleiben Systemschwächen verdeckt. Banken, Versicherungen und Pensionskassen geraten als „Staatsfinanzierer“ in die Ausweglosigkeit. Das gigantische Schuldenproblem wird auf dem Rücken der Bürger gelöst. Das kann depressiv machen. Genau das aber soll vermieden werden. Kapitalanleger sollen sich nach dem Willen der Politiker weniger mit der Krise beschäftigen. Das wäre gefährlich. Dann könnten Politiker notwendige Entscheidungen nicht mehr ohne Wählermandat umsetzen.

Der Ausweg: Menschen werden in gute Stimmung versetzt. Der Krisenlärm wird durch Ablenkungsmanöver und Schalldämpfer gedämpft. Kapitalanlegern und Steuerzahlern bleibt so der Spaß am Leben erhalten; sie sollen das System ja weiter stützen. Kritisches Nachdenken würde nur schaden.

Gute Laune muss also her – gerade in der Finanzwelt. Auch wenn sie künstlich durch Politiker erzeugt wird. Fakt ist: Die Krise hat eine gigantische Liquiditätsschwemme bewirkt, die Aktien in höhere Gefilde katapultiert und wohl auch deshalb weiter stützen wird, weil der Nimbus von Staatsanleihen als sicherste aller Anlagen nicht mehr besteht. Dass die Renditen deutscher und amerikanischer Staatsanleihen von ihren unrealistisch tiefen Ständen zuletzt kräftig nach oben geschossen sind, haben viele Anleger als Warnsignal aufgefasst.

Das aus Bonds abgezogene Geld floss verstärkt in Aktien, weil Investoren der freien Wirtschaft mehr vertrauen als Regierungen. Doch Börsenprognosen allein auf den Faktor Liquidität zu stützen, ist gefährlich. In den aktuellen Kursen ist die Gefahr einer globalen Rezession nicht eingepreist. Mit anderen Worten: Die Krise kann noch für negative Überraschungen sorgen. Heute als Kapitalanleger zu glauben, das Schlimmste sei ausgestanden, ist ein sehr gefährlicher Standpunkt.

Aber letztlich ist alles nur eine Frage des Zeithorizonts. Aktuell ist die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos. Jede Krise bietet Chancen. Wenn das Centennium-Debakel – sei es schleichend oder durch lauten Knall – beendet ist, wird die Welt eine neue ökonomische Blüte erleben. Das macht gute Laune.

Kommentare zu " Finanzmärkte: Liebe Anleger, Ihr macht Euch was vor!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, ich gebe Ihnen völlig recht.
    Am Beispiel Monti lässt sich dies sehr gut ablesen.
    Nicht nur dass die EZB faule Anleihen von italien kauft, nein wenn der ESM wirklich in Kraft tritt werden in der Höhe der Geldsummen, in der Laufzeit unbegrenzt an der Bürger vorbei, den Italiener zur verfügung gestellt.
    +++
    Das wäre noch nicht einmal das schlimmste, aber dass die Nehmerländer den Geberländer die Bedingungen diktieren das ist schlicht weg ein Skandal - Monti hat dies eindrucksvoll geegenüber Merkel gezeigt.
    Gleichzeitig nimmt der Reformwille in Italien drastisch ab, was bis jetzt abgeliefert wurde waren allenfalls Reförmchen!!
    Wir zahlen ja alles eifrig mit!!
    +++
    Der Mastrichter Vertrag ist das Papier nicht wert auf dem er steht.
    Es gibt nur den Ausweg, die EU und den Euro auf zu kündigen alles andere führt in eine Schulden Union mit fatalen Folgen für Deutschland seinen Bürger und dem Mittelstand.
    Beendet endlich das Experiment EU und Euro - es ist kolossal in die Hose gegangen.
    Der Euro ist für uns zu billig und für viele EU Länder zu teuer!!
    Das ist Fakt.

  • auch Qualitätsaktien werden bei einem chrash bis auf den nennwert fallen. das wird gerne verschwiegen.

  • • @ 3_Wetter_Boerse
    Nach meinem persönlichen Warenkorb habe ich in den 10 Jahren des Euro einen Kaufkraftverlust von über 50% erfahren. In diesem Zeitraum wurden über Europa gemittelte Inflationsraten veröffentlicht mit denen niemals dieser Kaufkraftverlust möglich sein kann. Nach meinen Überlegungen spricht alles dafür, dass es nicht 10 Jahre dauern wird bis wieder die Hälfte der Kaufkraft weg ist. Mit 5 Jahren treffen wir es vermutlich besser.
    80% der Deutschen haben 80% Ihres Vermögens in Geld- und Sparvermögen (angelegt?). Sie werden mit steigendem Unbehagen erkennen wie alles zu seinem "Inneren Wert" zurück geführt wird. Der Wert einer Währung ist Null, sie ist lediglich ein Versprechen derjenigen welche in der Vergangenheit alle Versprechen letztendlich nicht eingehalten haben (EZB). Von den 80% wird ein Anteil reagieren und versuchen zumindest keinen Kaufkraftverlust zu erleiden. Das ganze mit dem steigenden Bewusstsein einer möglichen Währungsreform, Es gibt Aktien die haben Weltkriege und Währungsreformen überstanden, bei Geld- und Sparvermögen sieht es da leider schlechter aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%