Finanzprobleme belasten Anleihen und Aktien Clariant
Die Risiken überwiegen

Wird sich die Clariant AG wegen ihrer Finanzprobleme doch an die Finanzmärkte wenden? Gerüchte über eine Kapitalerhöhung belasten die Titel der weltweit zweitgrößten Spezialchemie-Firma.

LONDON/DÜSSELDORF. Nun erhielten die Bedenken neue Nahrung: Die Schweizer kündigten an, dass sie ihr größtes Investitionsprojekt – eine Anlage in den USA – einstellen und deswegen 120 Mill. Franken abschreiben werden.

Clariant-Aktien verloren in den vergangenen zehn Tagen mehr als 10 %, obwohl die Unternehmensleitung betonte, man wolle die Finanzmärkte in diesem Jahr nicht anzapfen. Selbst wenn man die Gerüchte einmal beiseite lässt, dürften die Papiere, die seit Jahresbeginn fast 45 % eingebüßt haben, weiter unter Druck bleiben: Clariant befindet sich, wie die ganze Spezialchemie- Branche, in einem schwierigen Umfeld. Zudem muss der Schweizer Riese nach überteuerten Akquisitionen umstrukturieren.

Und nach der gescheiterten Investition in den Vereinigten Staaten sind die Analysten verstimmt. Sie haben die Gewinnaussichten nach unten korrigiert. So kritisiert JP Morgan mangelnde Transparenz bei den Prognosen des Unternehmens, die strategische Ausrichtung sei unklar, und es sei nicht sicher, ob Clariant das Ziel, die Nettoverschuldung bis zum Jahresende auf 2,5 Mrd. Franken von derzeit 3,5 Mrd. zurückzuführen, erreichen kann.

Dennoch sehen einige Anleihe- Investoren Lichtblicke. Die Sorgen über einen Liquiditätsengpass seien überzogen, denn das Unternehmen werde wie geplant Aktiva verkaufen können. Und mit dem neuen Chef Ronald Lösser sei ein Kehrtwende zum Besseren möglich, begründen sie ihren Optimismus. Wenn das zutrifft, dann könnten die Anleihen von Clariant, anders als die Aktien, hohe Gewinne abwerfen.

Während die Renditeaufschläge bei Unternehmensanleihen in den vergangenen Monaten deutlich abgeflacht sind, wird Clariant vom Anleihenmarkt weiter wie ein notleidendes Unternehmen eingestuft. Gründe sind steigende Rohmaterialpreise, nachlassende Nachfrage und die negativen Auswirkungen der Euro-Aufwertung. Zudem übersteigt die Verschuldung das durch wiederholte Abschreibungen geschmälerte Kapital der Firma um das 3,8fache. Ein weiterer Gewinnrückgang könnte dazu führen, dass Clariant die Auflagen seine Kreditverpflichtungen nicht erfüllen kann. Dann gäbe es eine echte Finanzierungskrise, und Aktien und Anleihen würden weiter abgestraft.

Bond-Befürworter lassen sich davon kaum beeindrucken. Die Bankauflagen würden schon erfüllt, und neue Mittel fließen, sagen sie. Ein Großteil der in diesem Jahr fällig werdenden, langfristigen Schuldverschreibungen könne aus dem laufenden Geschäft bedient werden. Bis 2005, wenn Anleihen über 700 Mio. Franken ausgezahlt werden müssen, habe das Unternehmen genug Zeit, um Geschäftsbereiche abzustoßen und umzustrukturieren.

Auf eine solche Fügung zu hoffen, bedeutet hohes Risiko. Ohne ein Signal, dass Clariant zusätzliche Finanzierungsquellen sichert, dürfte sich bei den Anleihen und Aktien nichts Positives tun. Und wenn sich der Druck auf die Gewinnmargen weiter erhöht, die Liquidität zurückgeht und der Schuldenabbau nicht so vorangeht wie geplant, dann könnte auch den größten Optimisten die Geduld ausgehen.

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