Flaue Konjunktur und tiefe Zinsen schicken die eidgenössische Währung auf Talfahrt
Der Schweizer Franken zeigt Schwäche

Was ist mit dem Franken los? Seit Wochen dümpelt die stolze Schweizer Währung am unteren Ende der Bandbreite, die Devisenhändler im Frühjahr gerade noch für möglich gehalten hatten. Das gilt gegenüber dem Dollar, der bei knapp 1,30 Franken notiert. Das gilt vor allem aber gegenüber dem Euro, der sich seit Tagen über der Marke von 1,56 Franken behauptet.

HB ZÜRICH. Während der Dollar auch im Vergleich zum Euro an Boden gut machen konnte, ist die Entwicklung von Franken zu Euro eine Überraschung. Das ursprüngliche Szenario der Ökonomen hatte so ausgesehen: Die Schweizer Volkswirtschaft gewinnt gegenüber dem Euro-Raum an Fahrt. Ein Wirtschaftswachstum von mehr als 1,5 Prozent sollte drin sein, hatte es von staatlicher Seite genauso wie von den Konjunkturforschern der Banken geheißen. Folglich rechneten die Ökonomen mit einem Zinsschritt der Schweizer Nationalbank spätestens im September.

Mit dieser Aussicht ist es jedoch inzwischen vorbei, wie Ulrike Bischoff von der Helaba feststellt. Die Daten der eidgenössischen Volkswirtschaft sind schwach, das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr gerade einmal um drei Viertel Prozent zulegen, schätzt sie. Die Inflation wird einzig durch den Ölpreis leicht getrieben. Für die Nationalbank, schreibt Bischoff, bestehe kein Anlass von der Politik, die den Zinssatz bei 0,75 Prozent fixiert, abzurücken. Für den Franken ergibt sich damit kein Aufwertungspotenzial. Hans-Ulrich Meier, Währungsstratege bei der Großbank UBS schließt eine weitere Talfahrt des Frankens nicht aus und rechnet für die nächsten Wochen sogar mit einem Kurs von 1,58 Franken je Euro.

Allerdings währt die Talfahrt nach Ansicht der UBS nicht ewig. Die Bank ist optimistisch, dass sich der Franken gegen Jahresende erholt. Die Einschätzung beruht zum einen aus der Deutschland-Wahl im September, die zum Ergebnis haben könnte, dass das Nachbarland wirtschaftlich wieder Fahrt aufnimmt. Eine Wette darauf sei ihm allerdings zu riskant, sagt Meier. Der Währungsexperte vertraut lieber den Zahlen und stellt fest, dass in Deutschland der Bedarf an Ersatzinvestition hoch sein muss. Er meint, dass ein Aufschwung in Sichtweite sei, wenn die Unternehmen begännen zu investieren. Das werde die exportabhängige Schweizer Konjunktur wieder in Schwung bringen und das Wirtschaftswachstum deutlich nach oben treiben. Das, so glauben die Währungsstrategen, dürfte dem Franken dann langfristig immerhin wieder die gewohnte Stabilität verleihen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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